ThinkPad X12 Detachable (Core i7) Testbericht

Seit 2016 bietet Lenovo mit dem ThinkPad X1 Tablet auch einen Konkurrenten zu Microsofts erfolgreicher Surface-Produktlinie an. Dabei handelt sich es um Detachables, also Windows-Tablets mit Ultrabook-CPU und einem abnehmbaren, dünnen Keyboard-Folio, das im zugeklappten Zustand wie bei einem Laptop das Display schützt. Während die Serie mit einem modularen Konzept startete, hat sich Lenovo bereits 2018 mit dem X1 Tablet 3rd Gen davon verabschiedet und das Gerät stark an das Surface-Design angeglichen. Lang wurde das X1 Tablet nicht mehr aktualisiert, doch 2021 hat Lenovo nun mit dem ThinkPad X12 Detachable Gen 1 einen Nachfolger veröffentlicht. Hier testen wir das X12 mit Vollausstattung – Core i7, 16GB RAM und 1TB SSD.

Die wichtigsten technischen Daten des Testgeräts lauten:

ThinkPadX12 Detachable Gen 1 – Typ 20UV000LFR
CPUIntel Core i7-1180G7 „Evo“, 4x 2.2-4.6 GHz, 12 MB Cache
RAM16 GB LPDDR4x, 4266 MHz
Display12.3″ 1.920×1.280, IPS, 400 nits, 1500:1 Kontrast
GrafikIntel Iris Xe G7
Gewicht0.760 kg (Tablet) + 0.340 kg (Tastatur)
PreisAktuell nicht in dieser Konfiguration verfügbar

Gehäuse

Das Gehäuse des X12 erinnert optisch stark an das X1 Tablet 3rd Gen, welches wir selbst leider noch nicht getestet haben. Das Tablet selbst ist mit 8.8mm angenehm dünn und bringt nur 760g auf die Wage – ein angenehmes Gewicht, das selbst die längere Nutzung als Tablet ermöglicht, z.B. unterwegs als Notizblock oder abends zum Medienkonsum auf der Couch. Das Gehäuse des X12 wird aus Magnesium gefertigt und ist mit einer matten Beschichtung überzogen, die stark an die X1-Serie erinnert, auch wenn das X12 nun in der aktuellen Version nicht mehr direkt zu selbiger gehört. Es ist dadurch etwas anfällig für Fett wie z.B. Fingerabdrücke, lässt sich aber auch gut reinigen. Das Gehäuse wirkt sehr stabil und lässt sich mit normalem Kraftaufwand so gut wie nicht verwinden. Dazu trägt sicherlich auch das Glas (Gorilla Glass 5) bei, das vor dem Display sitzt und erhöhte Resistenz gegen Sprünge oder Kratzer verspricht. Im Vergleich zum X1 Tablet 3rd Gen fallen übrigens sowohl das Display (12.3″ vs. 13″) als auch die Ränder um das Display kleiner aus, wodurch das X12 abspeckt und kompakter wird. Das Seitenverhältnis von 3:2 hat Lenovo beibehalten.

Aus dem Gehäuse lässt sich ein Ständer herausklappen, der mit zwei Watchband-ähnlichen Scharnieren am Gehäuse montiert ist. Ab einem Öffnungswinkel von ca. 30° hält dieser das Tablet stabil in jeder Position und ermöglicht somit ein flexibles Arbeiten. Auch auf dem Schoß steht das X12 überzeugend stabil. Der Ständer ist bis auf ca. 170° ausklappbar, sodass das Tablet fast flach auf dem Tisch liegt, aber leicht angewinkelt ist, was z.B. zum Schreiben oder Zeichnen mit dem Stift sehr angenehm ist. Leider ist der Ständer sehr dünn geraten und wirkt dadurch nicht besonders wertig – er verwindet sich bereits beim Ausklappen. Z.B. bei einem Sturz ist eine Beschädigung des Ständers jedoch unserer Meinung nach wahrscheinlich.

Die Tastatur bringt bei einer Dicke von 5.7mm zusätzliche 340g auf die Waage. Sie wird aus Kunststoff gefertigt. Die Oberfläche von Handballenauflage und Unterseite hat aber dennoch eine sehr feine Struktur, sodass sich ein ähnliches Gefühl wie bei der Beschichtung des X12 einstellt. Verwindungsstabil ist die Tastatur nicht, was z.B. beim Arbeiten auf dem Schoß auffällt, aber auch nicht weiter stört. Handballenauflage und Tastatur selbst wirken sehr stabil und lassen sich nicht durchbiegen.

Die Tastatur wird über einen 8-Pin-Pogo-Connector mit dem X12 verbunden. Diese Verbindung wird durch Magneten stabilisiert und verläuft durch ein stoffbezogenes Scharnier. Die Tastatur kann, wenn sie am X12 angedockt ist, entweder direkt auf dem Tisch liegen oder mit einem kleinen „Knick“ magnetisch am Tablet hochgestellt werden, sodass sie für ein angenehmeres Schreiben leicht angewinkelt wird.

Anschlussseitig bietet das X12 auf der linken Gehäuseseite einen Thunderbolt 4/USB 4-Port (USB Typ-C) oben sowie einen weiteren USB 3.2 Gen2 Typ C-Anschluss ohne Thunderbolt-Funktionalität unten. Zudem platziert Lenovo links eine 3.5mm-Klinkenbuchse für Headsets, den Nano-SIM-Slot sowie die Lade-LED neben dem USB 3.2-Anschluss. Rechts finden sich der Lüfterauslass, die Lautstärketasten und eine Buchse für ein Kensington-Schloss. An der Gehäuseoberseite platziert Lenovo weitere Lüftungsschlitze sowie rechts oben den Ein- und Ausschalter mit einer weißen LED.

Bei einer Gehäusedicke von 8.8mm hätte Lenovo vermutlich auch einen USB Typ A-Port unterbringen können, was für die Nutzung von USB-Sticks sehr praktisch wäre. Zudem wäre es praktischer, wenn die USB 4-Buchse mit Thunderbolt-Unterstützung anstelle der USB 3.2-Buchse unten säße: Thunderbolt nutzt man vornehmlich stationär, also z.B. am Schreibtisch, wo eine Dockingstation zum Einsatz kommt, die über ein einziges Kabel mit dem Gerät verbunden wird – dieses eine Kabel steckt so nun immer oben am Gerät, wo es nicht nur mehr auffällt, sondern vermutlich langfristig auch mehr Zugspannung auf die USB-Buchse ausübt.

Das X12 ist im Gegensatz zu den ersten Modellen der X1 Tablet-Serie nicht mehr darauf ausgelegt, vom Endnutzer einfach repariert oder aufgerüstet zu werden. So erfolgt der Zugriff auf das Innenleben immer über das Display, welches als erstes entfernt werden muss. Sehr erfreulich ist aber, dass Lenovo dieses verschraubt und nicht, wie bei anderen Tablets, verklebt. Aufrüsten lassen sich jedoch nur die M.2-SSD sowie die WWAN-Karte, wobei Modelle ohne WWAN jedoch zumindest ohne Antennen, evtl. auch ohne den SIM-Slot ausgeliefert werden. Zumindest der Akku kann so aber auch später relativ einfach gewechselt werden.

Tastatur

Die Tastatur des ThinkPad X12 erinnert stark an die des kürzlich getesteten ThinkPad X1 Nano. Die Tasten haben einen Hub von 1.3 mm und fallen generell sehr flach aus, zudem sind die Tasten kleiner und mehrere Tasten extra schmal ausgeführt, z.B. das „Ä“. Per Fn-Leertaste lassen sich zwei Stufen der Hintergrundbeleuchtung durchschalten.

Das Tippgefühl fällt ebenfalls vergleichbar zum X1 Nano aus. Man merkt, dass es sich um eine ThinkPad-Tastatur handelt, die Tastenkappen sind angenehm geformt und der Anschlag ist klar definiert – jedoch ist der Tastenhub doch spürbar niedriger als üblich. Erstaunlicherweise kann unser Tester auf der Tastatur des X12 dennoch mit weniger Fehlern tippen als auf dem kürzlich getesteten X1 Nano, was jedoch auch ein purer Gewöhnungseffekt sein kann. Unser Urteil – einwandfrei für das alltägliche Arbeiten, aber nicht der gewohnte ThinkPad-Standard, wenn es an häufiges Tippen langer Texte geht – trifft auch hier zu, wirkt sich aber weniger auf das Gesamturteil aus, da die Tastatur bei einem Detachable weniger im Vordergrund steht als bei einem herkömmlichen Laptop. Im Gegenteil, für ein Detachable spielt die Tastatur auf extrem hohem Niveau.

TrackPoint und Touchpad

Auch beim Mausersatz erinnert das X12 stark an das X1 Nano. Trackpoint und Touchpad werden von ELAN gefertigt, der Trackpoint entspricht dem Standard in der X1-Serie mit einer sehr flachen Kappe und Tastern statt Membranschaltern für die Trackpointtasten. Hieran gewöhnt man sich schnell, und die extrem flache Bauweise ist angesichts der geringen Dicke des Keyboard-Folios klar nachzuvollziehen. Das Touchpad besitzt eine angenehme Mylar-Oberfläche und lässt sich leicht bedienen. Multitouch-Gesten werden natürlich unterstützt. Ein Klick fühlt sich schön satt an – hier hat Lenovo gerade gemessen an der Bauweise im Keyboard-Folio gute Arbeit geleistet.

Stift

Zu einem ThinkPad-Tablet gehört seit jeher (mit wenigen Ausnahmen) ein Wacom-Stift. Auch das X12 entspricht dieser Erwartung und wird mit Lenovos Digital Pen geliefert. Laut PSREF ist auch der einzeln nur schwer verfügbare Lenovo Precision Pen mit dem X12 erhältlich, der dank einer abgeflachten Seite magnetisch am Tablet befestigt werden kann. Der Digital Pen lässt sich stattdessen in einer elastischen Schlaufe am Keyboard Folio befestigen – das ist vermutlich ohnehin die sinnvollere Variante, da man keine Gefahr läuft, den Stift unabsichtlich vom Tablet zu lösen, sodass dieser herunterfallen könnte.

Der Stift bietet 4.096 Druckstufen, was für Grafiker relevant ist. Die Stifteingabe funktioniert natürlich einwandfrei, und auch die Handballenerkennung arbeitet sehr zuverlässig – die Toucheingabe wird deaktiviert, sobald sich der Stift in einer Entfernung von ca. 2cm oder geringer vom Display entfernt befindet. Schön ist auch zu sehen, dass Lenovo und Wacom über die Jahre die Latenz des Stiftes enorm reduziert haben, sodass selbst mit einem traditionellen 60 Hz-Display bei schnellen Stiftbewegungen die Linie dem Stift nahezu sofort folgt.

Display

Unser Testgerät ist mit einem 12.3″-IPS-Display von Innolux ausgestattet, das auf die Modellbezeichnung N123NCA-GS1 hört. Das Panel löst mit 1920×1280 Pixeln auf, was dem für ein Tablet wirklich idealen 3:2-Seitenverhältnis entspricht. Lenovo verspricht 400 cd/m² Helligkeit, ein Kontrastverhältnis von 1500:1 und 100% sRGB-Abdeckung.

Wir haben das Display mit einem Datacolor Spyder 5 Pro vermessen und können Lenovos Werte bestätigen. Das Display deckt 99% des sRGB-Farbraums ab, 73% NTSC, 78% Adobe RGB und 78% P3. Hier muss einmal mehr angemerkt werden, dass es wirklich erfreulich ist, dass Lenovo in den letzten Jahren durchweg ausgezeichnete Displays in den hochwertigen Geräten verbaut – auch das X12 lässt sich so problemlos für farbechte Grafikanwendungen einsetzen.

Die Helligkeitsregelung deckt einen Bereich von 4,7 cd/m² (bzw. nits) bis zu 424.3 cd/m² ab. Bei 50% eingestellter Helligkeit leuchtet das Display mit 91 cd/m², bei 70% mit 142.9 cd/m². Gerade angesichts der aufgrund des Gorilla Glass glänzenden Displayoberfläche wird die Helligkeit bei diesem Gerät jedoch meist im höheren Bereich eingestellt sein, sodass wir uns hier eine eher lineare Skalierung gewünscht hätten. Generell wäre auch eine höhere maximale Helligkeit von 500 cd/m² oder mehr wünschenswert, um das Gerät auch bei Sonneneinstrahlung draußen nutzen zu können – aufgrund der glänzenden Displayoberfläche ist schlichtweg eine höhere Helligkeit notwendig, damit das Display auch in der Sonne noch ablesbar ist. So muss man sich mit dem Gerät zumindest von der Sonne abwenden und wird im Außeneinsatz bei gutem Wetter meist die volle Helligkeit einsetzen müssen.

Audio, Kamera und Biometrie

Das X12 besitzt zwei 1W-Lautsprecher, die rechts und links vom Display angeordnet sind. Sie unterstützen Dolby Audio, also die niedrigste Stufe der von Lenovo verbauten Dolby-Lautsprechersysteme. Das merkt man leider auch beim Klang – die Maximallautstärke ist zwar dennoch gut, ein kleiner Konferenzraum lässt sich beschallen, aber Musik wird sehr schwammig wiedergegeben, in den Mitten und Höhen fehlen Details und der Bass ist schwach. Dazu kommt, dass die Dolby-Software einen Großteil des Audioeindrucks übernimmt – ohne selbige, also z.B. bei der Verwendung mit Linux, sinkt die Maximallautstärke deutlich und das Klangbild verschlechtert sich etwas.

Natürlich ist das X12 als Tablet ein sehr dünnes Gerät – das trifft aber auch auf das X1 Nano zu, das ein deutlich überzeugenderes System aus vier Lautsprechern besitzt. Auch das unserem Tester vorliegende Samsung Galaxy Tab S7 setzt ein von AKG entworfenes System aus vier Lautsprechern ein, das deutlich besser klingt als das des X12. Wir wünschen uns für das X12 Gen 2 hier eine Verbesserung, damit das X12 auch z.B. für den Filmgenuss am Abend eine bessere Figur abgibt.

Bei der Webcam überzeugt das ThinkPad X12 auf ganzer Linie – Lenovo verspricht eine 5.0 Megapixel-Frontkamera und eine 8.0 Megapixel-Rückkamera. Auch wenn Windows als Bildauflösung der Frontkamera nur 3.7 MP anbietet, entspricht das im Videobetrieb maximal 1440p und somit einer Vervierfachung in Details im Vergleich zu anderen ThinkPads. Entsprechend fällt das Webcam-Bild für ein Notebook sehr gut aus – das Bild ist hell, gut ausgeleuchtet und detailreich und es verschwimmt selbst abends bei schlechten Lichtverhältnissen nur leicht. Für Videokonferenzen ist das mehr als ausreichend. Eine solche Webcam wünschen wir uns auch in anderen ThinkPads. Die Rückkamera liefert ein noch etwas besseres Bild, aber fällt meilenweit hinter aktuelle Smartphone-Kameras zurück – ihr einziger Einsatzzweck wird jedoch auch darin liegen, während einer Videokonferenz etwas mit der Rückkamera zu zeigen und dafür ist die Qualität mehr als ausreichend.

Wie üblich handelt es sich bei der Frontkamera um einen hybriden Sensor, der auch ein Infrarotbild aufnehmen kann und zusammen mit der Infrarot-LED einen Windows Hello-Login per Gesichtserkennung unterstützt. Das funktioniert im Test einwandfrei, so wie auch der Login über den kleinen Fingerabdruckleser im Keyboard-Folio rechts neben dem Touchpad. Die Webcam erlaubt zudem die Zero Touch-Anmeldung und Benutzeranwesenheitserkennung – so sperrt sich das X12 automatisch, wenn sich der Benutzer entfernt und meldet ihn nach seiner Rückkehr ohne Tastendruck per Gesichtserkennung wieder an.

Konnektivität

Wie in anderen aktuellen ThinkPad-Modellen übernimmt eine Intel AX201 (2×2) M.2-Steckkarte die WLAN- (802.11ax) sowie Bluetooth 5.1-Anbindung. Wie üblich überzeugen die Leistungen des Chips auch im Test.

Unser Testgerät hat zusätzlich eine Fibocom L850-GL (4G LTE-A) WWAN-Karte, die eine Nano-SIM benötigt. Auch diese arbeitet einwandfrei. Leider ist eine Nachrüstung von Modellen ohne WWAN aber nicht (ohne weiteres) möglich, da Lenovo ohne Karte auch keine Antennen verbaut – eventuell gibt es sogar ein anderes Gehäuse ohne SIM-Slot.

Auch per Kabel kann das ThinkPad X12 an die Außenwelt angebunden werden, hierfür liefert Lenovo einen USB-C- auf Gigabit Ethernet-Adapter mit. Sobald dieser angeschlossen wird, kann das X12 auch von PXE booten.

Technische Daten

TestgerätAlternativen/Maximal
CPUIntel Core i7-1180G7 (4x 2.2-4.6 GHz, 12MB Cache)Intel Core i3-1110G4
Intel Core i5-1130G7
Intel Core i5-1140G7
Intel Core i7-1160G7
Intel Core i7-1180G7
RAM16GB LPDDR4x-4266 (verlötet, arbeitet im Dual Channel)8GB LPDDR4x-4266
Display12.3″ IPS, 1920×1280 Pixel, 400 nits, 1500:1, 100% sRGB, Multitouch + Wacom-Digitizer, glänzend
GrafikIntel Iris Xe Graphics G7
HDD/SSD1 TB M.2 2242 NVMe SSD, PCIe 3.0 x4256 oder 512 GB
WLANIntel Wi-Fi 6 AX201 (2×2 802.11ax)
Bluetooth5.1
WWANFibocom L850-GL 4G LTE-Aohne WWAN
Schnittstellen1x USB 4/Thunderbolt 4, 40 Gbps, PD3.0, Displayport 1.4a
1x USB-C 3.2 Gen 2, PD3.0, Displayport 1.4a
1x Headset (Kopfhörer/Mikrofon)
8-Pin Pogo-Pin-Connector
BiometrieFingerprint-Reader
Windows Hello Infrarot-Kamera
Audio2x2W Tieftöner, 2x1W Hochtöner
4x 360° Weitfeld-Mikrofon
WebcamHD 5.0MP (1440p) Frontkamera mit ThinkShutter
8.0MP Rückkamera
Akku42 Wh
Netzteil65 W Slim65 W
45 W
OSWindows 10 ProWindows 10 Home
Ohne OS

Hardware

CPU

Das ThinkPad X12 setzt wie auch das X1 Nano und X1 Titanium Yoga auf die CPUs der Tiger Lake UP4-Serie, die bei etwas geringerer Leistung nochmal stromsparender als die in den meisten Modellen verbauten UP3-CPUs und somit auch einfacher zu kühlen sind. Unser Testgerät kommt mit dem UP4-Flaggschiff, dem Core i7-1180G7 mit 4x 2.2-4.6 GHz und 12 MB Cache.

Aufgrund eines technischen Problems haben wir leider den Zugriff auf unsere Cinebench R20-Testergebnisse verloren, nachdem das Testgerät bereits nicht mehr vorlag. Wir können an dieser Stelle nur eine Größenordnung von durchschnittlich ca. 1.700 Punkten im Multicore-Test (erster Durchlauf über 2.000 Punkte) und ca. 500 Punkten im Singlecore-Test (ohne nennenswerte Variation) angeben. Das ThinkPad X12 hat sich damit, wie erwartet, leicht vor dem von uns getesteten ThinkPad X1 Nano mit Core i5-1130G7 platziert. Der Leistungsabfall nach längerer Last verhielt sich ebenfalls vergleichbar.

Wir haben den Core i7-1180G7 ebenfalls dem beliebten GeekBench-Benchmark in den Versionen 4.4.4 und 5.4.1 unterzogen. Die Ergebnisse lauten wie folgt:

SinglecoreMulticore
Geekbench 4.4.4647719965
Geekbench 5.4.114795131

Angesichts der Bauform als Tablet ist das wirklich beeindruckend und zeigt, wie leistungsstark das X12 gerade bei kurzer Last sein kann. Im Vergleich zu online publizierten Benchmarks des X1 Nano mit der gleichen CPU fällt das X12 wenige Prozent zurück, was angesichts des kleineren Lüfters aber auch zu erwarten ist. Insgesamt bescheinigen wir dem X12 eine ausgezeichnete Note in Sachen CPU-Leistung.

GPU

Lenovo verbaut im ThinkPad X12 wie auch in anderen ThinkPads Intels aktuelle iGPU-Lösung Intel Iris Xe Graphics in der Variante G7 mit 96 Execution Units.

Unsere Furmark-Testergebnisse sind demselben technischen Defekt geschuldet nicht mehr zugreifbar. Wir können jedoch anstelle dessen die Geekbench Compute-Ergebnisse angeben. In Version 4.4.4 hat das X12 50.574 Punkte erreicht, in Version 5.4.1 dann 15.474 Punkte. Dieser Wert liegt knapp 10% unter der CPU-Leistung eines aktuellen M1-Mac und im oberen Bereich anderer aufgezeichneter Ergebnisse vom i7-1180G7.

Nach einigen Furmark-Durchläufen ist die Punktzahl des ThinkPad X12 teilweise für einen Durchlauf in den Bereich um 600 Punkte gefallen, dann aber wieder auf das langfristige Niveau von ca. 800 Punkten gestiegen. Das spricht dafür, dass die iGPU eine größere thermische Belastung als die CPU darstellt und unter Volllast das Kühlsystem die Wärme nicht mehr komplett abführen kann, sodass ab und zu Thermal Throttling einsetzt.

Weiterhin haben wir diverse 3DMark-Benchmarks getestet:

3DMark Fire Strike v1.13.899
Graphics Score4.626
Physics Score8.852
Combined Score1.292
3DMark Time Spy v1.21.492
Graphics Score1.349
CPU Score3.741
3DMark Night Raid v1.113.593
Graphics Score18.053
CPU Score5.665
3DMark-Benchmarks auf dem X12

Die Ergebnisse fallen durchweg höher aus als beim X1 Nano mit Core i5-1130G7, aber identischer Grafikkarte. Das spricht erneut für die Leistungsfähigkeit des X12 – für ein Detachable sind die Werte wirklich sehr überzeugend.

SSD

In unsere Testgerät arbeitet eine 1TB große M.2 2242 NVMe-SSD vom Hersteller Toshiba, die auf die Bezeichnung KBG40ZNT1T02 hört. Sie ist per PCIe 3.0 x4 angebunden. Die SSD ist, wie jede NVMe-SSD, im Alltag schnell genug, kommt aber nicht an Samsungs Top-Modelle heran und fällt insbesondere bei den Schreibgeschwindigkeiten auch z.B. hinter die im X1 Nano verbaute WD SD530 zurück. Das sollte man für die Arbeit mit sehr speicherintensiven Anwendungen wie z.B. dem Schnitt hochauflösender Videos beachten, aber das ist nicht die Haupt-Zielgruppe des X12.

PCMark „Alltags-Benchmark“

Im PCMark 10 hat das ThinkPad X12 Detachable Gen 1 4.360 Punkte erzielt.

Essentials10.329
Apps Start-up Score15.851
Video Conferencing Score7.895
Web Browsing Score8.806
Productivity6.553
Spreadsheets Score5.918
Writing Score7.257
Digital Content Creation3.324
Photo Editing Score5.642
Rendering and Visualisation Score2.270
Video Editing Score2.869
PCMark 10-Ergebnisse des X12

Das X12 schneidet hier im Essentials- und Productivity-Test gering bis deutlich besser ab als das X1 Nano mit Core i5-1130G7 – hier ist der Unterschied zwischen Core i5 und i7 scheinbar größer als gewohnt. Im Digital Content Creation-Test fällt das Gerät dann aber hinter dem X1 Nano zurück, da die Punkte „Rendering and Visualisation Score“ sowie „Video Editing Score“ geringere Punktzahlen erreicht haben. Ob dies nun z.B. an Throttling der Grafikkarte oder am geringeren Durchsatz der SSD liegt, können wir leider nicht direkt sagen.

Performance im Alltagseinsatz

Das X12 ist im Alltag einwandfrei als Notebook oder sogar einziger Computer einsetzbar. Auch anspruchsvollere Anwendungen wie wissenschaftliche Bildverarbeitung in Zeiss ZEN oder Videoschnitt in Adobe Premiere Pro CC meistert das Gerät problemlos, und dank der großen 1TB-SSD sind auch Speichersorgen selten ein Thema. Per USB-C/Thunderbolt können eine Dockingstation und externe Monitore angebunden werden, was für die iGPU ebenfalls kein Problem darstellt. Bei Verwendung eines externen Monitors sinkt die Akkulaufzeit aber deutlich. Schade ist, dass Lenovo selbst mit dem leistungsstärksten Core i7 keine Version des X12 mit 32GB Arbeitsspeicher anbietet – denn 16GB sind tatsächlich schnell ausgelastet.

Temperatur, Stromverbrauch und Lautstärke

Natürlich haben wir auch die Emissionen und das Temperaturverhalten des ThinkPad X12 Detachable getestet.

Wie auch beim X1 Nano reagiert der Lüfter extrem schnell. Er wird bereits recht schnell hörbar, wobei das Geräusch trotz der kleinen Bauweise glücklicherweise nicht störend ist – Nebengeräusche wie Pfeifen bleiben nämlich aus. Dennoch lässt sich das Gerät unter Last nicht lautlos betreiben. Ein Bonus der Detachable-Bauweise ist natürlich währenddessen, dass die Tastatur auch unter Last ihre Temperatur nicht verändert, da dort keine Komponenten verbaut sind.

Wir haben Temperatur und andere Parameter in verschiedenen Benchmark-Szenarien über jeweils eine Stunde mitgeloggt. Im Cinebench R20 Multicore-Test im Netzbetrieb startet der CPU-Takt bei 3.5 GHz und pendelt sich nach ca. 15 Minuten bei ca. 1.75 GHz ein, wobei der Takt gelegentlich kurz auf ca. 2.6 GHz nach oben ausreißt und permanent ca. 100 MHz nach oben und unten pendelt. Wie auch schon beim X1 Nano gesehen, kann Intel mit den 10 nm-CPUs die Temperaturen angenehm niedrig halten – die CPU-Temperatur schnellt anfangs sofort auf 97°C hoch, sinkt dann aber über die nächsten 15 Minuten auf knapp unter 60°C ab, die GPU-Temperatur liegt einige Grad darunter. Die TDP startet bei 45W, wird dann aber sofort vom einsetzenden Thermal Throttling limitiert und nach ca. 3 Minuten setzt Power Limit Throttling ein, wodurch die CPU auf 15W limitiert wird, die nach ca. 15 Minuten mit dem Einpendeln des CPU-Takts erreicht sind. Wir sehen hier also keine auf 22-25W erhöhte TDP wie beim X1 Nano, was dafür spricht, dass die thermischen Reserven des Gerätes etwas geringer ausfallen. Im Akkubetrieb verhält sich das Gerät ähnlich, wobei der CPU-Takt hier langfristig bei ca. 1.9 GHz liegt und die Temperatur so knapp über 60°C steigt, wobei die TDP interessanterweise knapp unter 15W bleibt.

Im Cinebench R20 Singlecore-Test schwankt der CPU-Takt im Netzbetrieb erst für etwas über fünf Minuten zwischen 3.6 und 4.6 GHz, die CPU-Temperatur pendelt um 90 °C – das Schwanken wird dabei durch Thermal Throttling ausgelöst, während die TDP bei knapp 25W liegt. Nach ca. 5 Minuten setzt jedoch das Power Limit Throttling ein und reduziert die TDP auf die bereits gesehenen 15W, womit der CPU-Takt bei ca. 3.6 verbleibt, die CPU-Temperatur sinkt daraufhin auch und schwankt zwischen 60 und 70°C. Im Akkubetrieb taktet die CPU bis auf kurze Ausreißer immer mit ca. 3.2 GHz, während die TDP wieder knapp unter 15W liegt – anfangs erreicht sie, interessanterweise ohne einen höheren CPU-Takt, bis zu 20W, während sich auch die CPU kurz auf bis zu 90°C aufheißt. Langfristig liegt die Temperatur wieder um 70°C.

Mit Prime95 (Small FFT-Test) haben wir die maximale thermische Belastung simuliert. Hier fällt der CPU-Takt nun innerhalb der ersten 10 Minuten von 3.0 GHz auf ca. 1.3 GHz, dann beginnt nach ca. 6 Minuten ein dauerhaftes Pendeln zwischen 1.7 GHz udn 2.1 GHz. Die Temperatur sinkt von 97°C auf stabil knapp über 60°C. Es liegt anfangs kurz Thermal Throttling, dann kontinuierlich Power Limit Throttling vor. Die TDP startet bei knapp über 40W, sinkt dann aber auf kontinuierlich wieder 15W ab.

Bei zusätzlicher Belastung der GPU mit Furmark beginnt der CPU-Takt bei ca. 1.3 GHz, sinkt dann aber umgehend weiter und pendelt langfristig zwischen 0.7 und 0.9 GHz. Die CPU-Temperatur schnellt anfangs kurz auf 90°C hoch, wird dann aber vom Thermal Throttling gebremst und sinkt mit dem Takt auf dauerhaft knapp unter 60°C. Die TDP beginnt bei ca. 35W und sinkt auf ca. 13W ab, die dauerhaft gehalten werden können.

Im Vergleich zum X1 Nano fallen die Taktraten, aber auch Temperaturen spürbar geringer aus. Vermutlich begrenzt das thermische Design im X1 Tablet, wo nochmals weniger Platz z.B. zur Kühlung vorhanden ist, aber es ist auch möglich, dass Lenovo das Gerät, das ja durchaus als Tablet auch in der Hand gehalten wird, generell kühler halten möchte. Nicht zu vergessen ist auch, dass in unserem Testgerät mit dem Core i7-1180G7 die leistungsstärkste Tiger Lake UP4-CPU verbaut ist – natürlich produziert diese unter Volllast auch mehr Abwärme als der in die Mittelklasse einzuordnende Core i5-1130G7.

Akkulaufzeit

Das ThinkPad X12 Detachable nutzt einen 42 Wh-Akku, der Rapid Charge (80% Ladung in 1h) unterstützt. Mitgeliefert wird ein 65W USB-C Netzteil in der „Slim“-Bauform, die ein platzsparendes Aufwickeln des Kabels ermöglicht.

Der Battery Eater v2.70-Benchmark leert den Akku im Classic Test (Volllast, volle Helligkeit, WLAN an) in 2h45min. Der Reader’s Test (simuliert Lesen eines Textes, mittlere Helligkeit, WLAN an) ergab eine 12h30min. Interessanterweise fallen diese Werte fast identisch zum X1 Nano aus, das mit einem größeren 48 Wh-Akku, aber einer sparsameren CPU getestet wurde.
Im Alltagsbetrieb hat sich bei gemischter Nutzung (Office, Internet, WLAN an, etwas Bildbearbeitung, teilweise Nutzung einer Samsung T5-SSD) eine Akkulaufzeit zwischen 6 und 7 Stunden herausgestellt. Damit ist der Akku für einen Arbeitstag etwas knapp dimensioniert und ist im Test einige Male kurz vor Feierabend leer gewesen. Zum Glück unterstützt das X12 aber Rapid Charge – geladen werden kann der Akku komplett in unter zwei Stunden, 80% können in ca. einer Stunde nachgetankt werden.

Preis und Konfiguration

Die hier getestete Konfiguration ist aktuell in Deutschland nicht erhältlich, da der Konfigurator bei Lenovo noch nicht freigeschaltet ist. Im Bildungsprogramm beginnen die Preise bei 1.299 Euro für die Konfiguration mit Core i3-1110G4, 8GB RAM und 256 GB SSD. Ein Sondermodell mit Core i7-1160G7, 16GB RAM und 512GB SSD ist für 1.629€ im Bildungsprogramm bei ausgewählten Händlern verfügbar.


Vergleich mit anderen Geräten

ThinkPad X1 Tablet 1st Gen

Dankenswerterweise wurde uns von Nutzer Aiphaton aus dem ThinkPad-Forum ein X1 Tablet 1st Gen zur Verfügung gestellt, mit dem wir das X12 hier vergleichen können. Der größte Unterschied zwischen den Geräten ist wohl, dass Lenovo das Konzept etwas geändert hat – vom modular erweiterbaren X1 Tablet, das das „Durchdachte“ am ThinkPad verkörpert hat, hin zu einem Surface-Wettbewerber mit den ThinkPad-Qualitäten. Beides ist ohne Frage wünschenswert, aber es handelt sich schlichtwerg um andere Richtungen.

Im Vergleich zum X1 Tablet 1st Gen hat sich natürlich die Technik aktualisiert – kein Wunder, schließlich trennen beide Geräte 5 Jahre Entwicklungszeit. Sehr lobenswert ist, dass Lenovo die Displayränder sichtbar reduziert hat. Zudem ist das Gerät leichter und kompakter geworden. Schon mit dem X1 Tablet der 3. Generation ist Lenovo zum „Surface“-Stil gewechselt, was das Gehäusedesign anbelangt – beim X1 Tablet 1st Gen war der Ständer noch unten am Gehäuse aufgehängt und öffnete sich somit von der Mitte nach außen. Das sieht zwar schick aus und ist für das modulare Konzept – dazu gleich mehr – essentiell, aber der klare Vorteil des Surface-Designs ist, dass sich der Ständer einfach „blind“ ausklappen lässt, ohne das Gerät herumzudrehen. Der Ständer des X1 Tablet muss erst über eine kleine Rastnase entriegelt werden – für unseren Tester umständlich, er zieht das Design des X12 klar vor. Einen Punkt sammelt das X1 Tablet aber bei der Wartbarkeit – hier lässt sich hinten am Gerät eine geschraubte Wartungsklappe abnehmen, hinter der sich nicht nur der Akku, sondern auch SSD, WLAN- und WWAN-Karte sowie weitere Teile einfach erreichen lassen. Schade, dass Lenovo hier Rückschritte gemacht hat, die vermutlich der Gehäusedicke zugute kamen.

Das Alleinstellungsmerkmal des X1 Tablet waren seinerzeit die Erweiterungsmodule: Statt einer flachen Plastikleiste unten am Gehäuse konnte man z.B. das Productivity Module ansetzen, das dem X1 Tablet einen angenehmen Griff verleiht – das erinnert an die 8-Zellen-Akkus früherer X-Serien-Convertibles – und gleichzeitig einige Anschlüsse wie USB Typ A, HDMI und OneLink+ (Lenovos proprietärer Dockinganschluss) bietet. Ein weiteres „Presenter Module“ beinhaltet einen Mini-Projektor und einen zusätzlichen Akku, sodass direkt vom X1 Tablet Präsentationen gegeben werden können. Das Konzept ist klar ein Alleinstellungsmerkmal – kein anderes Detachable kann z.B. mit so vielen Anschlüssen aufwarten, falls man es benötigt. Andererseits wird das Gerät mit Erweiterungsmodul noch größer, als es ohnehin schon ist – das X12 ist einfach deutlich kompakter und damit klar als ultramobiles Gerät klar im Vorteil. Dennoch – ein USB A-Port wäre beim X12 wünschenswert gewesen.

Die Tastatur – vom Design her sehr ähnlich zum X12 – wird ebenfalls unten ans Tablet oder vorne an ein angebautes Erweiterungsmodul angesetzt und hält magnetisch. Im Vergleich zum X12 sind die Tastenkappen eindeutig höher, der Tastenhub tatsächlich gar nicht so sehr unterschiedlich. Unser Tester kann dem Gefühl nach auf beiden Tastaturen sehr gut und fehlerfrei im schnellen 10-Finger-System tippen, was sich jedoch nicht nachprüfen ließ, da die Tastatur unseres X1 Tablet-Testgerätes leider defekt war. Ein Punkt für das Tippgefühl geht dennoch an das X1 Tablet, da – wahrscheinlich u.a. durch die höheren Tastenkappen – das Tippgefühl deutlich satter ausfällt.

Insgesamt stellt das X12 unserer Meinung nach eine gelungene Weiterentwicklung des ursprünglichen X1 Tablet dar. Zahlreiche Verbesserungen wie z.B. am Gehäuse sind in das X12 eingeflossen und während z.B. das Modulkonzept weggefallen ist, machen die übrigen Verbesserungen das jedoch wett.

Samsung Galaxy Tab S7

Weiterhin konnte unser Tester das X12 mit einem Samsung Galaxy Tab S7 vergleichen. Dabei handelt es sich um ein Android-Tablet, das jedoch mit Wacom-Stift, Tastatur und Samsungs DeX-Desktopumgebung ebenfalls Ambitionen auf einen Notebookersatz hat. Mit einem 11″-Display fällt es aber schon deutlich kleiner aus, zudem nutzt Samsungs Tab S7 das 16:10-Format. Das Tab S7 liegt insgesamt extrem gut in der Hand und fühlt sich mit seinem eloxierten Aluminiumgehäuse, das stark an Apples iPad Pro erinnert, sehr wertig an. Nicht zwangsläufig besser als das X12, einfach anders – aber das Tab S7 sammelt dank seiner Kompaktheit einen Extrapunkt. Wartbarkeit gibt es beim Tab S7 dafür gar nicht, diese bewegt sich auf Smartphone-Niveau – wiederum ein Punkt für das X12, selbst mit den recht beschränkten Wartungsmöglichkeiten.

Das Tab S7 in der kleinen, nicht Plus-Version ist mit seinem 11″-Display nicht als Hauptarbeitsgerät für den Alltag gedacht – auch wenn das sicherlich möglich ist, ein größeres Display kann die Arbeit deutlich angenehmer gestalten. Schon das leicht größere Display des X12 bringt hier einen Gewinn und ist mit seinem Seitenverhältnis von 3:2 zudem besser für das Lesen von Dokumenten oder sonstige Office-Arbeit geeignet. Dafür ist das Tab S7 deutlich kompakter und leichter und überzeugt dadurch z.B. beim abendlichen Filmgenuss auf der Couch, wozu die wirklich sehr guten AKG-Lautsprecher auch beitragen. Hier muss man seine Prioritäten einfach entsprechend festlegen. Der gleichen Linie nach bietet das ThinkPad X12 als klar auf Produktivität fokussiertes Gerät mehr Anschlüsse als das Tab S7 – letzteres bietet nur einen einzigen USB-C-Anschluss. So ist also bereits für das Anschließen kabelgebundener Kopfhörer parallel zu einem USB-Stick ein Hub notwendig.

Auch das Tab S7 kommt mit einem Keyboard-Folio, das über Pogo-Pins am Tablet angedockt wird. Für die Größe ist die Tastatur erstaunlich gut – tatsächlich dürfte der Tastenhub sich nicht signifikant vom X12 unterscheiden, aber die Tasten selbst fallen natürlich kleiner aus und der Anschlag ist nicht so klar definiert wie beim ThinkPad X12. 10-Finger-Tippen ist möglich, allerdings stört z.B. das Tastaturlayout, das immer dem US-Layout entspricht, nur die Tastenbeschriftung ändert sich. So ist auch im deutschen Layout die Enter-Taste nur eine Zeile hoch und rechts von der Leertaste befindet sich nicht Alt Gr, sondern eine Taste zum Ändern des Layouts. Das Touchpad selbst enttäuscht – es funktioniert, fühlt sich aber nicht wertig an. Bei den traditioniellen Eingabegeräten gewinnt das ThinkPad also, wie erwartet, haushoch.

Das Samsung Galaxy Tab S7 unterstützt, wie auch das ThinkPad X12, Stifteingabe mittels eines Wacom-Stifts, der S Pen genannt wird. Dieser basiert weiterhin auf Wacoms EMR-Technik, der integrierte Akku, der praktischerweise induktiv auf der Rückseite des Tablets geladen wird, dient lediglich der Bluetooth-basierten Gestensteuerung. Im Gegensatz zum X12 kombiniert Samsungs Tab S7 sogar einen Stift mit geringer Latenz mit einem 120 Hz-Display, was nochmals etwas natürlicher aussieht als beim X12. Aber wie bereits betont – auch beim X12 fühlt sich das Schreiben natürlich an. Beide Stifte liegen gut in der Hand, wobei der ThinkPad-Stift deutlich schwerer ist – das ist einfach Geschmackssache. Ein Feature, was Lenovo sich jedoch abschauen könnte: Samsungs S Pen lässt sich in einer „Tasche“ auf der ebenfalls vom Keyboard Folio geschützten Tablet-Rückseite verstauen, sodass er immer geschützt ist und das Tablet auf einem Tisch in einem angenehmen, leicht angehobenen Winkel liegt.

Schließlich müssen wir natürlich auch die gesamte Benutzererfahrung bewerten – und hier kommt es eindeutig auf den individuellen Einsatzzweck an. Samsungs Galaxy Tab S7 nutzt Android 11 mit Samsungs One UI 3.1-Oberfläche. Diese bietet einen DeX genannten Desktopmodus, wo Apps wie auf einem normalen Computer im Fenstermodus ausgeführt werden können. Man kann so also wie gewohnt mit z.B. einem Browser, Emails sowie Microsoft Word und PowerPoint arbeiten. Selbstverständlich lässt sich auch der Stift in diese Anwendungen integrieren. Sobald jedoch professionelle Anwendungen wie z.B. Videoschnitt oder wissenschaftliche Literaturverwaltung anstehen, fällt Android aufgrund des App-Ökosystems zurück. Es ist schlichtweg nicht möglich, z.B. Adobe Premiere oder DaVinci Resolve auf dem Tab S7 auszuführen, hier existieren nur abgespeckte Smartphone-Versionen – und auch Apps zur Literaturverwaltung oder zur wissenschaftlichen Bildbearbeitung gibt es nicht. Möchte man z.B. auf seine vom PC bestehende Literaturdatenbank zugreifen, so ist das zwar indirekt möglich, erfordert aber eine manuelle Auswahl von Dokumenten und umständliche Wege über eine Cloud-Synchronisation und eine spezielle App zur lokalen Bearbeitung von PDFs. Hier ist es einfach ein großer Vorteil, direkt einen vollwertigen Windows-Computer als Detachable zu haben – so stehen einem alle gewohnten und etablierten Workflows zur Verfügung.

Ohne Frage ist das Samsung Galaxy Tab S7 ein sehr gelungenes Android-Tablet und kann vom Office-Begleiter über den digitalen Notizblock bis hin zu einem eingeschränkten Notebook-Replacement zahlreiche Aufgaben übernehmen. Als Multimedia-Gerät ist das Tab S7, eventuell auch in der 12.4″ großen Plus-Version, dem ThinkPad X12 unserer Meinung nach sogar überlegen. Aber einen vollwertigen PC kann es nach wie vor nicht ersetzen, nur ergänzen – wer sein Notebook oder sogar sämtliche Computer komplett mit einem Detachable ersetzen möchte und auch PC-spezifische Anwendungen nutzt, ist mit dem ThinkPad X12 deutlich besser beraten.

Anhänge

Hier könnt Ihr einige Dateien zum Testgerät herunterladen:

ThinkPad X12 Detachable Gen 1 Farbprofil


Fazit

Das ThinkPad X12 Gen 1 ist ein gelungenes Detachable und verdient den Namen „ThinkPad“ zurecht. Verarbeitung, Ausstattung und auch die Leistung – zumindest über kurz- oder mittelfristige Zeiträume – wissen zu überzeugen. Dank der für ein Detachable wirklich guten Tastatur, dem sehr guten Display und der leichten Bauweise ist es sowohl als Notebook als auch als Tablet gut geeignet. Stiftbedienung beherrschen Lenovo sowie Partner Wacom schon lange, so dient das X12 auch als vielseitiger digitaler Notizblock. Damit wird es auch dem Preis gerecht – auch wenn wir keinen Preis direkt für diese Konfiguration nennen können, so wird dieser sicherlich im Bereich um 2.000 Euro liegen, wenn man das Gerät mit anderen, geringer ausgestatteten Modellen vergleicht.

Perfekt ist das X12 noch nicht, so bleibt auch hier eine Wunschliste: Darauf stehen beim X12 beispielsweise wie auch beim X1 Nano optionale 32GB RAM (denn die UP4-CPU unterstützt dies), ein USB Typ A-Port, sowie ein solider wirkender Ständer. Insbesondere die Einschränkung beim RAM lässt sich nur schwer nachvollziehen, lässt sich das Gerät doch sonst mit i7-1180G7 und bis zu 1TB SSD zu einem sehr leistungsstarken Ultrabook aufrüsten.

Insgesamt hinterlässt das X12 Gen 1 im Test einen sehr guten Eindruck. Wem würden wir es nun empfehlen? Beispielsweise der Zielgruppe, die nicht zum X1 Yoga Gen 6 greifen würde – also denjenigen, bei denen die Tablet-Nutzung im Vordergrund steht, aber auch hier und da eine Tastatur benötigt wird. Mobilität und Flexibilität sollten bei Käufern des X12 oben auf der Prioritätenliste stehen, aber gleichzeitig auch der Bedarf nach einem richtigen PC für diese Szenarien. Wer diese Anforderungen auch mit einem Gerät ohne Windows und x86-CPU bedienen kann, der kann wie unser Tester auch über ein separates Detachable aus der Android- oder iOS-Welt nachdenken, zwecks PC aber z.B. zum X1 Carbon greifen, das mit einer Tiger Lake UP3-CPU etwas mehr Leistung und z.B. auch mehr Anschlüsse bietet. Den Spagat zwischen allem schafft das X12 aber klar am besten, und wer mit einem Gerät alles abdecken möchte, der findet im X12 einen gelungenen Begleiter für den digitalen Alltag.

Autor: Yassin

Mein erstes ThinkPad war ein T41, das ich 2009 als Übergangsgerät zwischen einem Samsung-Notebook und einem MacBook Pro verwendet habe. Nach einem Jahr und einem defekten Unibody-Gehäuse habe ich dann ein ThinkPad X201 neu erworben - und dann hat das Sammeln begonnen. Geschätzte 50 ThinkPads später (von denen ich einige immer noch habe) arbeite ich aktuell mit einem ThinkPad T470p und teste hier im Team gerne Lenovos Neuvorstellungen.