X1 Yoga 6th Gen (20Y0S00200) Kurztest

Carbon, Yoga, Nano oder Extreme? Diese Frage stellt sich dem Käufer der Flaggschiff-Modelle der Marke ThinkPad, der X1-Serie. X1 Carbon und X1 Yoga sind sich technisch sehr ähnlich, wobei ersteres das ultramobile 14″-Gerät mit Carbon-Gehäuse und 1.13kg Gesamtgewicht ist – das X1 Yoga bietet ein um 360° rotierbares Display mit Touchscreen und Stifteingabe und besitzt ein Aluminium-Gehäuse, das ebenfalls extrem wertig wirkt, aber rund 300g gegenüber dem X1 Carbon zulegt. Das X1 Nano ist das mit einem 13″-Display und 0.9kg Gewicht das kleinste Gerät im Lineup und absolut auf Mobiltät getrimmt, während das X1 Extreme mit seinem 15.6″-Display eine schicke und mit 1.7kg immer noch sehr leichte Workstation darstellt.

In diesem Kurztest werfen wir nun einen kurzen Blick auf das ThinkPad X1 Yoga der 6. Generation.

Die wichtigsten technischen Daten des Testgeräts lauten:

ThinkPadX1 Yoga 6th Gen – Typ 20Y0S00200
CPUIntel Core i7-1165G7 „Evo“, 4x 2.8-4.7 GHz, 8 MB Cache
RAM32 GB LPDDR4x, 4266 MHz
Display14″ 1920×1200, IPS, 400 nits, 1000:1 Kontrast, matt
GrafikIntel Iris Xe
Gewicht1.399 kg
Preis1.849 € (Bildungsprogramm)

Gehäuse

Natürlich hat Lenovo am Gehäuse des X1 Yoga 6th Gen Änderungen vorgenommen – schließlich markiert das Gerät die Rückkehr der X1-Serie zu einem Display im 16:10-Seitenformat. Dennoch erinnert das Gerät stark an das mit dem X1 Yoga 4th Gen (hier im Test bei uns) eingeführte Design. Das gesamte Gehäuse wird aus Aluminium gefertigt, wobei Deckel und Keyboard-Bezel eloxiert sind, die Kanten von Unterteil und Displaydeckel dagegen gebürstet und hochglanzpoliert. Das Gerät fühlt sich extrem wertig an. Die Spaltmaße sind minimal und sehr gleichmäßig, Unterteil und Displaydeckel lassen sich fast nicht verwinden, die Scharniere halten das Display in jeder Position und sind gegen Erschütterungen relativ immun – es ist einfach alles sehr schick und hochwertig. Unserem Tester gefallen ebenfalls der wieder auf das Keyboard-Bezel zurückverlegte Einschalter, der ganz im Stil moderner Smartphones und Tablets den Fingerabdruckleser elegant integriert, und die Gummilippe, die als Abstandshalter zwischen Display und Unterteil dient. Wenn unseren Tester sein Gefühl nicht täuscht, ist endlich auch die Wartungsklappe aus Aluminium gefertigt.

Überrascht hat unseren Tester das Gewicht des Gerätes – mit 1.399kg ist es im Vergleich zum X1 Carbon 9th Gen (1.13kg) oder X1 Nano (0.91kg) wahrlich kein Leichtgewicht. Vermutlich wirkt es durch das Aluminiumgehäuse aber auch einfach subjektiv schwerer als z.B. ein gleich schweres X1 Carbon 3rd Gen (1.4kg). Absolut gesehen ist das X1 Yoga 6th Gen natürlich immer noch ein für die Größe durchaus leichtes Ultrabook.

Anschlusstechnisch lässt das X1 Yoga 6th Gen keine Wünsche offen: Zwei Thunderbolt 4/USB 4 (Typ C)-Anschlüsse sowie zwei USB 3.2 Gen1 (Typ A)-Ports erlauben den Anschluss zahlreicher Peripherie – und dabei muss ein externer Monitor nicht einmal einen der Typ C-Anschlüsse belegen, denn ein HDMI 2.0-Port ist ebenfalls vorhanden. Das Paket wird durch einen 3,5mm-Headsetanschluss und einen Kensington-Lock-Port abgerundet. Leider fehlt bei Modellen ohne WWAN (4G oder 5G) auch der SIM-Kartenleser (vermutlich auch die Antennen), eine Nachrüstung ist nicht möglich.

Tastatur

Im Gegensatz zu dem extrem auf Mobilität getrimmten ThinkPad X1 Nano kommen X1 Carbon 9th Gen und X1 Yoga 6th Gen nach wie vor mit einer Tastatur mit 1.5mm Tastenhub – diese entspricht dem typischen ThinkPad-Qualitätsstandard und -Tippgefühl. Auch lange Texte lassen sich auf der Tastatur angenehm und weitestgehend fehlerfrei tippen. Die Tastatur ist im übrigen in zwei Stufen hintergrundbeleuchtet.

TrackPoint und Touchpad

TrackPoint und Touchpad des X1 Yoga 6th Gen stammen, wie mittlerweile üblich, von ELAN. Die Eingabegeräte funktionieren einwandfrei und werden dem ThinkPad-Namen gerecht. Unserem Tester fehlt leider nach wie vor eine Möglichkeit, die Scrollgeschwindigkeit von TrackPoint und Touchpad separat einzustellen – ab Werk ist diese auf das Touchpad optimiert, sodass der TrackPoint extrem schnell scrollt. Im Touchpad ist die NFC-Antenne integriert.

Stift

Als Teil der ThinkPad X1 Yoga-Serie kommt das X1 Yoga 6th natürlich mit einem Digitizerstift mit Wacoms AES-Technologie. Er findet sich in einem kleinen Silo auf der rechten Seite des Notebooks und wird über zwei Kontakte geladen, während er im Gerät steckt. Der Stift unterstützt 4096 Druckstufen und funktioniert einwandfrei, wie von Wacoms Grafiktablett-Lösungen gewohnt. Allerdings ist er sehr leicht und aus Hartplastik gefertigt – gegenüber dem Rest des Geräts wirkt er, gerade auch im Vergleich zu anderen Stiften von Lenovo mit Metallgehäuse oder Stiften für bekannte Slate-Tablets, nicht sonderlich wertig. Es wäre schön, wenn Lenovo hier in Zukunft eine Möglichkeit findet, auch einen haptisch gut anmutenden Stift ins Gehäuse zu integrieren.

Display

Das vorliegende X1 Yoga 6th Gen ist mit einem 14.0″-Display mit einer Auflösung von 1920×1200 (WUXGA bzw. FHD+) ausgestattet. Es hört auf die Modellnr. MNE007JA1-1 und wird von CSO hergestellt. Es handelt sich um ein Low Power-Display und wird ebenfalls mit einem niedrigen Blaulichtanteil beworben, was die Augen des Nutzers schont. Wir haben das Display mit einem Spyder5Pro vermessen – es deckt 100% des sRGB-Farbraums ab, 74% NTSC, 79% Adobe RGB und 80% P3.

Die Helligkeitsregelung deckt einen Bereich von 4,0 cd/m² (bzw. nits) bis zu 375.5 cd/m² ab. Als erstes X1 Yoga ist das aktuelle Modell mit einem komplett matten Display verfügbar, was bei diesem Gerät verbaut ist. Nachdem auch der Rand des Displays matt ist, gehen wir davon aus, dass weiterhin eine Glasscheibe vor dem Display verbaut ist, die komplett matt beschichtet wurde. Ein Rand wie von einer Folie ist nicht zu sehen. Die Beschichtung ist extrem hochwertig – ein Glitzern, wie von matten Displayschutzfolien bekannt, ist effektiv so gut wie nicht wahrnehmbar.

Im offiziellen PSREF-Dokument wird diese Variante als „anti-glare“ beworben – alternativ ist auch eine Variante „anti-reflection, anti-smudge“ verfügbar, worunter die bisher aus der X1 Yoga-Serie bekannte, eher stark spiegelnde Oberfläche zu finden ist. Weiterhin gibt es eine 500 nits-Variante des Displays mit matter Oberfläche und ThinkPad Privacy Guard-Blickschutzfilter sowie ein 500 nits helles UHD+-Display (3840×2400) mit 100% P3-Abdeckung und glänzender Oberfläche.

Für langjährige ThinkPad-Nutzer ist evtl. interessant, dass das Display vom Bildeindruck sehr an das AUO B140HAN01.3 erinnert, vom Farbraum her eines der besten je in ThinkPads verbauten 14″-Displays (z.B. im T440s oder T450s).

Dank der matten Beschichtung und recht hohen maximalen Helligkeit ist ein Arbeiten im Freien in heller Umgebung möglich. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird es jedoch schwierig – dort ist die optional verfügbare 500 nits-Variante vermutlich im Vorteil.

Audio, Kamera und Biometrie

Das X1 Yoga 6th Gen wird mit einem Dolby Atmos-Lautsprechersystem aus zwei 2W-Tieftönern und zwei 0.8W-Breitbandlautsprechern ausgeliefert. Die Lautsprecher klingen für ein Ultrabook sehr voluminös und detailreich. Subjektiv ist die Klangqualität des kürzlich getesteten X1 Nano zwar etwas weniger voll, aber dafür in Mitten und Höhen noch etwas klarer- ob das an den anderen Hauptlautsprechern liegt, können wir nur vermuten. Das X1 Yoga 6th Gen überzeugt aber hier auf ganzer Linie. Einen Konferenzraum kann man problemlos beschallen. Positiv fällt auch auf, dass der gute Klang zwar von der Dolby Atmos-Software profitiert, aber ohne die Software nicht in sich zusammenfällt – gerade Linux-Nutzer werden sich hierüber freuen.

Die vier 360°-Weitfeldmikrofone konnten in der kurzen Zeit leider nicht getestet werden. Die 720p-Webcam bleibt aber enttäuschend schlecht und einem Gerät dieser Preisklasse absolut nicht angemessen. Es bleibt zu hoffen, dass die mit dem X13 2nd Gen eingeführte 1080p-Webcam auch in der nächsten X1-Generation eingeführt wird und dort zum Standard wird.

Biometrisch kann man sich per IR-Kamera-Gesichtserkennung oder den im Einschalter integrierten Fingerabdruckleser anmelden.

Konnektivität

WLAN- und Bluetooth-Verbindungen stellt das X1 Yoga 6th Gen über eine Intel WiFi-6 AX201 (802.11ax + Bluetooth 5.2) her. Ein USB-C zu Ethernet-Adapter liegt im Lieferumfang bei. Das hier vorgestellte Modell ist, wie bereits beschrieben, nicht mit WWAN ausgestattet und auch nicht aufrüstbar. WWAN kann aber mittels einer Fibocom L850-GL (4G LTE-A) oder einer Qualcomm X55 (5G) M.2-Karte konfiguiert werden. Erstere Karte benötigt eine SIM-Karte, letztere arbeitet mit einer digitalen eSIM.

Technische Daten

TestgerätAlternativen/Maximal
CPUIntel Core i5-1130G7 (4x 1.8-4.0 GHz, 8MB Cache)Intel Core i5-1140G7
Intel Core i7-1160G7
Intel Core i7-1180G7
RAM16GB LPDDR4x-4266 (verlötet, arbeitet im Dual Channel)
Display13.0″ Low Power IPS, 2160×1350 Pixel, 450 nits, 1000:1, 100% sRGBMultitouch
GrafikIntel Iris Xe Graphics
HDD/SSD512 GB M.2 2242 NVMe SSD, PCIe 3.0 x4Bis zu 1TB
WLANIntel Wi-Fi 6 AX201 (2×2 802.11ax)
Bluetooth5.1
WWANFibocom L850-GL 4G LTE-A
Qualcomm X55 5G
Schnittstellen2x USB 4/Thunderbolt 4, 40 Gbps, PD3.0, Displayport 1.4a
1x Headset (Kopfhörer/Mikrofon)
BiometrieFingerprint-Reader
Windows Hello Infrarot-Kamera
ohne IR-Kamera
Audio2x2W Tieftöner, 2x1W Hochtöner
4x 360° Weitfeld-Mikrofon
WebcamHD 720p mit ThinkShutter
Akku48 Wh
Netzteil65 W Slim
OSWindows 10 ProWindows 10 Home
Ubuntu
Ohne OS

Hardware

CPU

Das ThinkPad X1 Yoga 6th Gen setzt ebenfalls auf Intels neue 10nm-Architektur „Tiger Lake“ in der UP3-Version. Der verbaute Core i7-1165G7 ist die zweitschnellste CPU, die in dem Gerät angeboten wird.

Wir haben den i7-1165G7 im Cinebench R20 im Netzbetrieb getestet. Nach fünf Durchläufen erreicht die CPU durchschnittlich 1941 Punkte im Multicore-Test und 562 Punkte im Singlecore-Test, was ein Multicore-Verhältnis von 3.45 ergibt. Der erste Durchlauf ergab hier 2153 Punkte im Multicore- und 568 Punkte im Singlecore-Test. Damit ist die CPU nochmal ca. 20% schneller als der Core i5-1130G7 im ThinkPad X1 Nano – dort handelt es sich schließlich auch um die UP4-Variante für besonders kompakte Geräte. Auch AMDs Ryzen 4 Pro-Plattform lässt der i7-1165G7 im Singlecore-Test hinter sich und schließt im Multicore-Test auf – deutlich näher, als angesichts der nur halben Anzahl an Kernen im Vergleich zum Ryzen-Achtkerner zu erwarten wäre.

GPU

Die integrierte Intel Iris Xe Graphics übernimmt auch in den Tiger Lake UP3-CPUs die Grafikausgabe, ist hier aber noch leistungsstärker als in den Tiger Lake UP4-CPUs. Im Furmark v1.25.0-Benchmark erreicht die Iris Xe im Durchschnitt beeindruckende 1748 Punkte und 30 fps bei der Darstellung des Benchmarks bei nativer Auflösung. Damit erreicht sie das Niveau etwas in die Jahre gekommener Desktop-GPUs der Einstiegs- oder Mittelklasse und sollte eine große Anzahl an Spielen zumindest auf dem X1 Yoga 6th Gen spielbar machen.

SSD

In unsere Testgerät arbeitet eine Samsung PM9A1 NVMe-SSD – das OEM-Pendant zur Samsung 980 Pro. Die SSD bietet 1 TB Speicherplatz und hört auf die Modellbezeichnung MZVL21T0HCLR-00BL7. Sie nutzt 3D-NAND-TLC-Speicher und ist per PCIe 4.0 x4 angebunden. CrystalDiskMark bescheinigt der SSD beeindruckende Werte, die sie zu einem der schnellsten aktuell verfügbaren Laufwerke machen.

Temperatur, Stromverbrauch und Lautstärke

Beim X1 Yoga 6th Gen findet sich der Lüfter nun an der Rückseite des Geräts im Scharnierbereich – und stört somit nun Rechtshänder nicht mehr, die eine externe Maus benutzen. Apropos Lüfter: Das Gerät ist zwar flach, aber nicht allzu klein – daher bleibt der Lüfter auch lange Zeit unhörbar. Nach ca. 15 Sekunden unter Volllast im Benchmark springt er an und rauscht dann gut hörbar, wird aber auch nach Beenden CPU-intensiver Aufgaben schnell wieder leise. Das Gehäuse aus Aluminium leitet die Wärme ebenfalls gut ab, was aber auch bedeutet, dass sich sowohl Tastaturrahmen als auch Unterseite schnell erwärmen. Das Gehäuse wird dabei nicht unangenehm warm, aber man merkt einen Unterschied im Vergleich zu einem ThinkPad z.B. mit Magnesiumgehäuse.

Wir haben während des Benchmarklaufs Temperaturen und TDP aufgezeichnet. Diese Infos müssen noch ausgewertet werden und werden morgen hier veröffentlicht.

Akkulaufzeit

Das ThinkPad X1 Yoga 6th Gen bezieht seine Energie aus einem 57 Wh-Akku, der Rapid Charge (80% Ladung in 1h) unterstützt. Mitgeliefert wird ein 65W USB-C Netzteil in der „Slim“-Bauform, die ein platzsparendes Aufwickeln des Kabels ermöglicht. Leider war es uns nicht möglich, die Akkulaufzeit in der kurzen Zeit, die sich das Gerät hier befand, sinnvoll zu testen. Lenovos Angabe liegt zwischen 16.1 und 23.9 Stunden, damit sollte das Gerät einen kompletten Arbeitstag ohne Probleme durchhalten.

Preis und Konfiguration

Die hier getestete Konfiguration ist aktuell die einzige im Bildungsprogramm verfügbare Variante und wird für 1.849€ angeboten.


Anhänge

Hier könnt Ihr einige Dateien zum Testgerät herunterladen:

ThinkPad X1 Yoga 6th Gen WUXGA 400 nits Farbprofil


Fazit

Das X1 Yoga 6th Gen ist ein gelungener Nachfolger in der X1 Yoga-Serie. Das Gerät vermittelt einen sehr hochwertigen Eindruck und überzeugt auch leistungstechnsich. Kleine Verbesserungen wie das matte Display und die versetzten Lüfteröffnungen zeugen von der kontinuierlichen Verbesserung von Lenovos Top-Modell. Wünschenswert wären für die nächste Iteration noch eine bessere Webcam sowie ein hochwertigerer Stift.

Mit 1.849€ ist das ThinkPad X1 Yoga 6th Gen teuer, aber bietet auch extrem viel. Wer ein hochwertiges Convertible sucht, um es sowohl als Laptop als auch als Tablet bzw. Notizblock zu verwenden, ist hier an der richtigen Stelle. Ist der Touchscreen eher ein nettes Gimmick, ist man vermutlich mit dem X1 Carbon besser bedient und spart sich im Alltag 300g Gewicht – überwiegt die Tabletnutzung deutlich, könnte ein Detachable wie das ThinkPad X12 die bessere Wahl sein. Als Allrounder kann dem ThinkPad X1 Yoga 6th Gen aber kein Gerät den Rang ablaufen. Nach diesem Kurztest können wir das Gerät auf jeden Fall empfehlen!

Autor: Yassin

Mein erstes ThinkPad war ein T41, das ich 2009 als Übergangsgerät zwischen einem Samsung-Notebook und einem MacBook Pro verwendet habe. Nach einem Jahr und einem defekten Unibody-Gehäuse habe ich dann ein ThinkPad X201 neu erworben - und dann hat das Sammeln begonnen. Geschätzte 50 ThinkPads später (von denen ich einige immer noch habe) arbeite ich aktuell mit einem ThinkPad T470p und teste hier im Team gerne Lenovos Neuvorstellungen.