ThinkPad X1 Carbon 8th Gen (i7, FHD) Testbericht

Intels neueste Comet Lake-CPU-Generation hält nun weltweit in Lenovos Topmodellen Einzug. Nachdem außerhalb des EMEA-Raums (Europa und mittlerer Osten) auch das X1 Carbon der 7. Generation schon mit Comet Lake-CPUs bestellt werden konnte, setzt das neue ThinkPad X1 Carbon der 8. Generation nun komplett auf die „neuen“ CPUs, stellt sonst aber ein vergleichsweise kleineres Update des Vorgängers da. Hier testen wir das X1 Carbon 8th Gen (20UAS04T00) mit Core i7-10510U.

Die wichtigsten technischen Daten des Testgeräts lauten:

ThinkPadX1 Carbon 8th Gen– Typ 20UAS04T00
CPUIntel Core i7-10510U – 4x 1.8-4.9 GHz, 8MB L3-Cache
RAM16 GB LPDDR3, 2133 MHz
Display14.0″ 1920×1080, IPS, 400 nits, 800:1 Kontrast
GrafikIntel UHD Graphics
Gewicht1.09 kg
Preis1.449 € (Bildungsprogramm)

Vergleich zum Vorgänger (7th Gen)

Im Vergleich zur 7. Generation ist das X1 Carbon 8th Gen ein kleines Update: Verbaut werden nun die etwas leistungsfähigeren Core i-CPUs der 10. Generation. Das Multitouch-Panel leuchtet nun mit 400 statt 300 nits, das ePrivacy-Panel mit 500 statt 400 nits. Die Tastatur hat neue Funktionstasten für Anrufe erhalten und der WLAN-Chip unterstützt nun 802.11ax statt 802.11ac.

Gehäuse

Das ThinkPad X1 Carbon 8th Gen nutzt weiterhin das Gehäuse der 7. Generation, die wir bereits hier getestet haben. Mit 323mm x 217mm x 14.9mm und einem Gewicht von nur 1.09 kg ist das X1 Carbon mit Abstand das kleinste und leichteste 14″-ThinkPad. Entscheidet sich der Nutzer für das Privacy Guard-Display (später mehr zu den Displayoptionen), legt das Gerät um 0.5mm auf 15.4mm Dicke zu und wiegt 1.21 kg.

Auch wenn der Name anderes vermuten lässt, ist das X1 Carbon nicht komplett aus Carbon gefertigt. Das Unterteil, in das die Tastatur von unten eingebaut ist, besteht aus einer Magnesiumlegierung. Wenngleich das einen Tastaturtausch für den Endkunden teuer und ohne Garantieverlust unmöglich macht, spart Lenovo dadurch Bauhöhe ein und kann trotz des dünnen Gehäuses einen überzeugenden Tastenhub realisieren. Die Schnittstellen sind links und rechts des Gehäuses angeordnet, der Lüfterauslass sitzt auf der rechten Seite – schlechte Nachrichten für Rechtshänder mit externer Maus.

Die Wartungsklappe am Boden ist erstaunlich stabil und vermutlich ebenfalls aus einer Magnesiumlegierung gefertigt. Der Displaydeckel macht nun endlich dem Namen alle Ehre und besteht aus Carbon – er wirkt sehr stabil, lässt sich kaum verwinden und gibt auch unter Druck nicht nach, was hellen Stellen im Display durch Druck z.B. beim Rucksacktransport vorbeugt.

Insgesamt wirkt das X1 Carbon 8th Gen sehr hochwertig und gut verarbeitet. Dazu trägt auch bei, dass das komplette Gehäuse, selbst das Displaybezel, mit einer matten Gummierung versehen ist. Beim Palmrest müssen Träger einer Uhr mit Metallband hier vermutlich aufpassen, da Kratzer sonst vorprogrammiert sind – zudem sammelt die Gummierung Fett und Fingerabdrücke und muss somit öfter gereinigt werden. Die Haptik ist dafür exzellent. Einzig der ThinkShutter-Schieber trübt den Eindruck, da er nicht beschichtet ist und somit sowohl von der Farbe als auch von der Struktur vom Rest des Gehäuses abweicht.

Die Schnittstellen sind sinnvoll angeordnet: Links finden sich zwei USB 3.2 Typ-C Gen2/Thunderbolt 3-Ports, wovon einer in den Side Docking-Anschluss integriert ist. Beide Ports können das Gerät laden. Die zweite Buchse im Docking-Anschluss führt den Anschluss für den nativen Intel I219-V Ethernet-Chip nach außen, der passende Adapter ist im Lieferumgang des Geräts enthalten. Weiterhin befinden sich links ein USB 3.2 Gen1 Typ A-Anschluss, ein HDMI 1.4b-Port und die 3,5mm-Klinkenbuchse für Headsets oder Kopfhörer. Hier könnten sich ein breiterer USB-Stick und ein HDMI-Kabel in die Quere kommen, da die Anschlüsse nah beieinander sitzen. Auf der rechten Seite finden sich die Öse für ein Notebookschloss, ein weiterer USB 3.2 Gen1 Typ A-Anschluss mit Always On-Funktion sowie der Einschalter.

Tastatur

Das ThinkPad X1 Carbon Gen 8 besitzt eine Tastatur im aktuellen 6-Reihen-Layout. Hier findet sich eine Neuerung im Vergleich zum Vorgänger – Lenovo hat F10 und F11 mit Funktionstasten zum Annehmen und Auflegen von Anrufen belegt. Natürlich ist die Tastatur in zwei Stufen hintergrundbeleuchtet, diese können über die Tastenkombination Fn-Leertaste durchgeschaltet werden.

Trotz des dünnen Gehäuses hat Lenovo es geschafft, eine Tastatur mit einem überzeugenden Tippgefühl zu konstruieren. Hierzu trägt auch bei, dass es sich aufgrund des 14″-Formfaktors um eine Tastatur normaler Größe handelt – es gibt keine kleineren Tasten wie bei den 13,3″-ThinkPads. Abstriche musste Lenovo beim Hub der Tasten machen – wie auch beim X1 Carbon 7th Gen beträgt dieser nur noch 1.5mm statt der üblichen 1.8mm. Trotzdem – oder eventuell auch deswegen – ist der Anschlag jedoch sehr satt, was das Tippen ebenfalls vereinfacht. Auch das Tippen längerer Texte in 10-Finger-Technik ist auf dem X1 Carbon 8th Gen sehr bequem möglich, so wurde wie immer fast der komplette Testbericht auf diesem Gerät verfasst.

TrackPoint und Touchpad

ELAN scheint Synaptics als Standardhersteller der ThinkPad-Maushardware abgelöst zu haben, stammen auch bei diesem Gerät TrackPoint und Touchpad von diesem Hersteller. Der TrackPoint funktioniert einwandfrei und erlaubt eine präzise Steuerung des Zeigers. Die TrackPoint-Tasten sind, wie auch schon beim X1 Carbon 7th Gen, fast komplett flach und stehen kaum aus dem Gehäuse hervor, sind aber dennoch angenehm zu bedienen. Sie sind wie bei den meisten neuen ThinkPads als Klickschalter ausgeführt, besitzen aber dennoch einen gut definierten Druckpunkt. Das Glastouchpad überzeugt ebenfalls – es besitzt eine sehr glatte, angenehme Oberfläche und einen satten Druckpunkt. Der vorhandene Platz wird gut ausgenutzt.

Leider fehlt dem Maustreiber die Möglichkeit, die Scrollgeschwindigkeit für den TrackPoint separat festzulegen. Stellt man diese passend für das Scrollen mit dem TrackPoint ein, scrollt man mit dem Touchpad viel zu langsam. Wir hoffen, dass Lenovo hier in der Zukunft noch mit einem Treiberupdate nachlegen kann.

Display

Unser Testgerät ist mit einem Low Power Full HD-IPS-Display des Herstellers BOE ausgestattet, das auf die Typbezeichnung NE140FHM-N61 hört. Während Lenovo eine Helligkeit von 400 nits, eine Farbraumabdeckung von 72% NTSC und ein Kontrastverhältnis von 800:1 angibt, listet der Hersteller einen Kontrast von 1500:1.

Das Bild überzeugt bereits im Auslieferungszustand, allerdings profitiert das Panel dennoch von einer Kalibrierung, um einen leichten Gelb-/Grünstich zu korrigieren. Die Farbräume sRGB werden zu 94% und Adobe RGB zu 74% abgedeckt, NTSC zu 74%. Ein Farbprofil stellen wir am Ende des Berichts zum Download bereit. Wenngleich eine vollständige Abdeckung des sRGB-Farbraums wünschenswert wäre und von anderen Displays auch erreicht wird, kann das X1 Carbon 8th Gen damit dennoch sinnvoll zur Bild- und Videobearbeitung eingesetzt werden. Lenovo verbaut allerdings verschiedene Panel-Typen mit ähnlichen, aber nicht identischen Daten – ein anderes Gerät kann somit eine etwas bessere, aber auch eine etwas schlechtere sRGB-Abdeckung aufweisen. Wenn eine perfekte Abdeckung des sRGB-Farbraums erforderlich ist, greift man besser zum 4K-Display, das jedoch mit einem deutlich höheren Akkuverbrauch einhergeht.

Die maximal gemessene Helligkeit beträgt 421 nits – damit sollte selbst im Freien bei Sonnenschein problemloses Arbeiten möglich sein. Gedimmt werden kann es auf bis zu 5.2 nits, womit man in dunkler Umgebung angenehm arbeiten kann. Die Regelung ist nicht linear, so erreicht das Display bei eingestellten 70% Helligkeit mit 168 nits noch nicht einmal seine halbe Leuchtkraft – vermutlich soll damit dem Umstand Sorge getragen werden, dass man in dunkler Umgebung und dementsprechend niedriger Helligkeitseinstellung eher in kleinen Schritten nachjustieren möchte. Die Ausleuchtung konnte aufgrund technische Probleme mit unserem Messgerät nicht quantifiziert werden, im subjektiven Eindruck konnte jedoch keine große Ungleichmäßigkeit festgestellt werden.

In individuellen Konfigurationen bietet Lenovo das 400 nits-Full HD-Display auch mit 10-Finger-Multitouch an. Eine weitere Full HD-Option besteht in dem mit 500 nits strahlenden Panel mit Privacy Guard-Option – hier kann per Tastendruck ein Blickschutzfilter hinzugeschaltet werden. Als Topmodell kann man ein 4K-Display („DolbyVision HDR400“) mit 500 nits Helligkeit und 90% P3-Abdeckung konfigurieren, das aber leider nur mit glänzender Oberfläche verfügbar ist. Ein WQHD-Display mit 300 nits kann in manchen Regionen noch geordert werden, bietet aber keine signifikanten Vorteile.

Audio, Kamera und Biometrie

Lenovo verbaut im X1 Carbon 8th Gen zwei nach unten abstrahlende 2W-Lautsprecher sowie zwei über der Tastatur sitzende 0.8W-Lautsprecher, die Dolby Atmos-zertifiziert sind. Wenngleich die Lautsprechergitter 2020 fast schon ungewohnt sind, beeindruckt das System, sobald die Dolby-Software eingerichtet und aktiv ist. Für die Ultrabook-Kategorie besitzt der Klang ein erstaunliches Volumen und kräftige Tiefen. Mitten werden klar wiedergegeben, lediglich bei den Höhen verwischt das Klangbild. In der Software kann der Klang mit einem Equalizer weiter dem eigenen Geschmack angepasst werden. Die Lautstärke reicht problemlos aus, um einen mittleren Konferenzraum zu beschallen. Sehr erfreulich ist auch, dass die Lautsprecher mit deaktivierter Dolby-Software (also z.B. unter Linux) nur geringfügig leiser sind – allerdings gehen insbesondere die Tiefen verloren. Dennoch kann der Klang auch unter Linux als überdurchschnittlich beurteilt werden.

Vier 360°-Weitfeld-Mikrofone sind an der oberen Kante des Displaydeckels positioniert und erlauben eine gute Verständigung in einer Telefonkonferenz. Die Webcam scheint sich im Vergleich zu anderen ThinkPads etwas verbessert zu haben, besitzt sie doch bei guten Lichtverhältnissen einen besseren Dynamikumfang. Das Bild ist aber dennoch recht verwaschen und löst nur mit 1280×720 Pixeln auf – 2020 sollte Full HD ein Standard sein, insbesondere in High-End-Geräten wie der X1-Serie. Die Gesichtserkennung mittels IR-Kamera funktioniert einwandfrei und sehr schnell – da das X1 Carbon auch sehr schnell aus dem Standby aufwacht, ist man nach dem Aufklappen des Deckels fast sofort eingeloggt.

Biometrisch kann man sich auch per Fingerabdruckleser einloggen – dieser sitzt rechts neben dem Touchpad und funktioniert ebenfalls problemlos.

Konnektivität

Im ThinkPad X1 Carbon 8th Gen ist ein Intel Wi-Fi 6 AX201-Chip verbaut, der 802.11ax sowie Bluetooth 5.1 unterstützt – er wird aber von Windows aktuell auf Bluetooth 5.0 limitiert. LTE-A ist optional bestellbar, die Fibocom L850-GL LTE-Karte ist optional auch in einer 2×2 MIMO-Version verfügbar, was die Datenrate verdoppeln kann. Lenovo bietet hier auch die Möglichkeit einer eSIM. Ethernet ist, wie bereits beschrieben, über einen Adapter nativ anzuschließen.

Technische Daten

TestgerätAlternativen/Maximal
CPUIntel Core i7-10510U (4 Kerne, 8 Threads, 8MB Cache, 14nm++)Intel Core i5-10210U
Intel Core i5-10310U
Intel Core i7-10610U
RAM16 GB LPDDR3-2133, verlötet, kein Slot8 GB
Display14.0″ FHD (1920×1080), IPS, Low Power, 400 nits, 800:1 Kontrast, 72% NTSC14.0″ FHD (1920×1080), IPS, Multitouch, 400 nits, 700:1 Kontrast, 72% NTSC
14.0″ FHD (1920×1080), IPS, Privacy Guard, 500 nits, 1500:1 Kontrast, 72% NTSC
14.0″ 4K/UHD (3840×2160) DolbyVision HDR400, IPS, 500 nits, 1500:1 Kontrast, glossy, 90% DCI-P3
GrafikIntel UHD Graphics
HDD/SSD512 GB M.2 2280 NVMe SSD, PCIe 3.0 x4Intel Optane Memory H10 + M.2 2280 NVMe SSD, PCIe 3.0 v4
WLANIntel Wi-Fi 6 AX201 (2×2 802.11ax)
Bluetooth5.1
LTEFibocom L850-GL
Fibocom L850-GL 2×2 MIMO
Schnittstellen2x USB 3.2 Typ A Gen1
2x USB 3.2 Typ C Gen2/Thunderbolt 3
HDMI 1.4b
3,5mm Klinke
Side Docking-Anschluss

BiometrieFingerprint-Reader
Windows Hello Infrarot-Kamera

Audio2x2W + 2x 0.8W Lautsprecher
4x 360°-Weitfeld-Mikrofon

WebcamHD 720p
Akku51 Wh
Netzteil65 W Slim45 W
65 W
OSWindows 10 Home
Windows 10 Pro

Hardware

CPU

Der Intel Core i7-10510U ist eine 4-Kern-CPU der 10. Generation „Comet Lake“ im 14nm++-Verfahren. Er taktet mit 1,8 GHz und kann im Turbo Boost bis zu 4,9 GHz erreichen. 8MB L3-Cache unterstützen die CPU, die eine TDP von 15W besitzt – diese kann auf 25W angehoben werden.

Wir haben den Core i7-10510U im Cinebench R20 getestet. Im Netzbetrieb erreicht die CPU nach einer Stunde durchschnittlich 1388 Punkte im Multicore-Test und 436 Punkte im Singlecore-Test, was ein Multicore-Verhältnis von 3.67 ergibt. Im Akkubetrieb (Einstellungen auf „Höchstleistung“ in Windows bzw. „Maximum Performance“ im UEFI-Setup) werden 1391 Punkte im Multicore-Test bzw. 440 Punkte im Singlecore-Test erreicht. Die Leistung im Akku- und Netzbetrieb ist also identisch – das ist vorbildlich, so wie die über eine Stunde nahezu konstante Leistung unter Singlecore-Last. Bei Multicore-Volllast sinkt die Leistung nach ca. 25 Minuten auf ca. 80% des anfänglichen Ergebnisses, da die CPU ihre Leistung begrenzen muss (mehr dazu unter „Temperatur“).

Im Geekbench 4.4.2 erreicht das X1 Carbon 8th Gen im Netzbetrieb 17.373 Punkte im Multicore-Test und 5.433 Punkte im Singlecore-Test. Die Einzelergebnisse lassen sich hier nachlesen. Im Akkubetrieb wurden 16.175 Punkte im Multicore-Test und 5.309 Punkte im Singlecore-Test erreicht (Ergebnisse hier).

Leider ist es aufgrund der Updates für „Plundervolt“ genannte Sicherheitslücken in der 10. Core i-Generation nicht mehr möglich, die CPU zu undervolten, also mit geringerer Spannung zu betreiben, um die Abwärme und somit das Throttling-Verhalten zu verringern. Die Einstellungen werden zwar übernommen, wirken sich aber nicht aus.

GPU

Die integrierte Intel UHD Graphics-GPU ist identisch zur bisher verbauten Intel UHD Graphics 620 und fällt leistungsmäßig weit hinter die AMD-Konkurrenz wie im zeitgleich getesteten ThinkPad X13 zurück.

Im FurMark-Benchmark v1.21.2.0 erreicht das ThinkPad X1 Carbon 8th Gen im Durchschnitt 460 Punkte nach fünf Durchläufen. Im Geekbench 4.4.2 (Bericht hier abrufbar) werden 24925 Punkte im OpenGL-Test erreicht. Weiterhin haben wir diverse 3DMark-Benchmarks getestet:

3DMark Fire Strike v1.11.236
Graphics Score1.349
Physics Score10.646
Combined Score419
3DMark Time Spy v1.2496
Graphics Score434
CPU Score2.660
3DMark Night Raid v1.15.830
Graphics Score5.916
CPU Score5.391
3DMark Sky Diver v1.04.816
Graphics Score4.514
Physics Score8.324
Combined Score4.262
3DMark-Benchmarks auf dem X1 Carbon 8th Gen

Man sieht, dass die CPU eine solide Leistung abliefert, während die GPU aber lediglich bei den für Laptops und integrierte Grafiken gedachten Benchmarks „Night Raid“ und „Sky Diver“ deutlich vierstellige Ergebnisse erzielen kann. Während gerade ältere Spiele damit wohl durchaus brauchbar gespielt werden können, ist das X1 Carbon 8th Gen erst einmal nicht zum Spielen geeignet. Dank Thunderbolt 3 lässt sich aber natürlich eine externe Grafikkarte mit dem Gerät verbinden, über die dann auch anspruchsvollere Spiele möglich werden.

SSD

In unserem Testgerät verbaut Lenovo eine Samsung PM981a-SSD mit 512GB Speicher (MZVLB512HBJQ-000L7). Die SSD ist per PCIe 3.0 x4 angebunden und nutzt TLC-Speicher. Im Alltagsbetrieb fühlt sich das System extrem schnell an und auch der Benchmark überzeugt.

PCMark „Alltags-Benchmark“

Im PCMark 10 hat das X1 Carbon 8th Gen 4.349 Punkte erzielt.

Essentials9.340
Apps Start-up Score13.455
Video Conferencing Score7.524
Web Browsing Score8.049
Productivity7.144
Spreadsheets Score8.320
Writing Score6.135
Digital Content Creation3.346
Photo Editing Score4.107
Rendering and Visualisation Score2.238
Video Editing Score4.079
PCMark 10-Ergebnisse des X1 Carbon 8th Gen

Die Ergebnisse fallen wie erwartet aus. Im Vergleich z.B. zum gleichzeitig getesteten ThinkPad L14 1st Gen mit i5-10210U beobachten wir ein geringes Leistungsplus, aber beim Starten von Programmen kann sich das X1 Carbon 8th Gen dank der Samsung-SSD deutlich vom L14 und seiner günstigeren WD-SSD absetzen.

Temperatur, Stromverbrauch und Lautstärke

Unter Last heizt sich das Gehäuse des X1 Carbon 8th Gen an der rechten Seite deutlich auf, leicht spürt man die Abwärme auch an den dort liegenden Tasten. Im Bereich der Handballenauflage fühlt man jedoch keine Wärmeentwicklung mehr. Der Lüfter überzeugt dagegen – im normalen Betrieb läuft er nicht oder nur mit 2600 rpm, wo man ihn so gut wie nicht hört. Unter Last beschleunigt er zunächst auf ca. 4000 rpm, dann auf ca. 4600 rpm, wo ein Rauschen vernehmbar wird, aber nicht stört und keinen hohen Pfeifton mit sich bringt.

Mittels HWInfo haben wir während der Cinebench R20-Benchmarks sämtliche Sensor-Parameter mitgeschnitten. Im Multicore-Benchmark verhält sich das Gerät im Netz- und Akkubetrieb sehr ähnlich: In den ersten fünf Minuten sinkt der CPU-Takt langsam von ca. 4 auf 3 GHz, während der Lüfter schnell von unhörbaren 2600 rpm auf hörbar rauschende, aber nicht störende 4600 rpm hochdreht. Die Temperatur klettert auf bis zu 97 °C, wobei die CPU-Leistung durch Thermal Throttling begrenzt wird. Nach fünf Minuten setzt die TDP-Begrenzung auf 13W ein, was die CPU-Temperatur auf ca. 75 °C und den CPU-Takt auf ca. 2.2 GHz senkt. Nach kurzer Zeit steigt die TDP langsam wieder auf bis zu 25 W an, während die CPU mit bis zu 3 GHz taktet und die Temperatur auf bis zu 95 °C ansteigen darf. Teilweise setzt kurz Thermal Throttling ein, aber vor allem greift nach weiteren ca. 2 Minuten wieder die TDP-Begrenzung auf 13W. Dies wiederholt sich konstant während des einstündigen Benchmarks.
Hier limitiert also das Kühlsystem des X1 Carbon. Reserven bestünden hier sicherlich, wenn man die CPU undervolten könnte – allerdings ist das, wie bereits oben beschrieben, aufgrund der „Plundervolt“-Sicherheitslücken nicht mehr möglich.

Im Singlecore-Test sieht das Bild etwas anders aus: Im Netzbetrieb steigt die Temperatur rapide auf 97 °C und schwankt dann zwischen 80 °C und 97 °C, während die CPU zwischen 3.0 GHz und 4.2 GHz taktet. Die TDP schwankt zwischen 13 und 20 Watt. Hauptsächlich wird die Leistung durch Thermal Throttling begrenzt, zusätzlich setzt ab fünf Minuten nach Start des Benchmarks gelegentlich die TDP-Begrenzung (Power Limit Throttling) ein.

Im Akkubetrieb taktet die CPU nahezu konstant mit ca. 4.2 GHz, während die Temperatur entsprechend konstant bei 97 °C bleibt. Die TDP sinkt von Anfangs ca. 25 W auf 17 W ab, bleibt dann aber auch dort etwa konstant. Thermal Throttling ist durchgehend aktiv, zudem wird ständig für kurze Zeit Power Limit Throttling aktiv (daher im Graph transparent dargestellt).

Die Leistung ist dennoch auch im Singlecore-Test zwischen Netz- und Akkuebtrieb sehr ähnlich. Eventuell macht hier die zusätzliche thermische Belastung durch den Netzbetrieb einen Unterschied, auch kann ein Einfluss durch die Umgebungstemperatur nicht ausgeschlossen werden. Der Lüfter beschleunigt auch hier nach wenigen Minuten auf ca. 4600 rpm.

Wie auch bereits an den Ergebnissen des Cinebench-Tests deutlich wurde, ist das Kühlsystem des X1 Carbon ausreichend dimensioniert, um die anfängliche Leistung bei Singlecore-Last auch über einen längeren Zeitraum beizubehalten. Bei Multicore-Last ist das nicht der Fall, hier muss sich das Gerät einbremsen. Da angesichts der geringen Bauhöhe die thermischen Reserven des Kühlsystems auch physikalisch begrenzt sind, wäre das Gerät ein Kandidat für Undervolting – das ist allerdings, wie bereits gesagt, aktuell technisch nicht möglich.

Akkulaufzeit

Lenovo verbaut im ThinkPad X1 Carbon 8th Gen einen 51 Wh-Akku, der in unserem Testgerät von SMP produziert wurde, und gibt eine Laufzeit von bis zu 18 Stunden an.

Wir haben die Laufzeit mit Battery Eater v2.70 getestet. Aufgrund technischer Probleme mit der aktuellen Version unter Windows 10 1909 werden die Ergebnisse inklusive der tatsächlichen Messperiode extrapoliert angegeben. Im Classic Test (3D-Rendering, WLAN ein, volle Helligkeit) wurde eine Laufzeit von ca. 1h45min ermittelt (gemessen: 86% Verbrauch in 90min). Im Reader’s Test (Scrollen in einer Textdatei, WLAN ein, Helligkeit ca. 100 cd/m²) erreicht das X1 Carbon 8th Gen eine Laufzeit von ca. 18h30min (gemessen: 27% Verbrauch in 5h).
Im Alltagsbetrieb erreicht das Gerät bei kombinierter Nutzung von Office, Internet und leichter wissenschaftlicher Bildbearbeitung eine Lautzeit zwischen 8 und 10 Stunden, somit hält es einen kompletten, üblichen Arbeitstag durch. Beim Videostreaming (Netflix) haben wir eine extrapolierte Laufzeit von ca. 9 Stunden ermittelt.

Dem Gerät liegt ein 65W-USB Typ C-Netzteil in der neuen „Slim“-Bauform bei, das sehr stark an die Bauform des Dell XPS-Netzteils erinnert. Das ist eine positive Entwicklung – man kann hier das Kabel einfach platzsparend auf dem Netzteil aufwickeln.

Preis und Konfiguration

Die hier getestete Konfiguration kostet im Bildungsprogramm 1.549 Euro und ist die kleinere Topseller-Konfiguration, die hierzulande verkauft wird. Für 1.899 Euro erhält man das Gerät mit LTE-Karte, 1TB-SSD und Windows-Vorinstallation – da den Bezugsberechtigten jedoch meist ohnehin kostenlose Windows-Lizenzen zur Verfügung stehen, lohnt sich diese nur selten. Displayoptionen etc. stehen bisher nur in individuellen Konfigurationen zur Wahl.


User-Fragen

Lasst uns über die Kommentare oder in der Diskussion über das Testgerät im ThinkPad-Forum Eure Fragen zukommen, die wir natürlich gerne mit aufnehmen!

Wie verhält sich das Gerät unter Linux? Funktioniert die Lautstärkeregelung?

Ich habe das X1 Carbon 8th Gen kurz mit POP!_OS 20.04 vom USB-Stick betrieben. Tatsächlich funktioniert out of the box alles Offensichtliche – WLAN und Bluetooth, Grafikbeschleunigung, die Helligkeits- und Lautstärkeregelung, Trackpoint, Touchpad, Fingerabdruckleser, Webcam etc. Die Lautsprecher sind auch ohne Dolby Atmos für ein Notebook erstaunlich laut und gut, der voluminöse Eindruck des Klangs unter Windows geht jedoch verloren. Auch der Akkuverbrauch scheint auf den ersten Blick ähnlich zum Verbrauch unter Windows zu sein.

Insgesamt lässt sich das X1 Carbon 8th Gen also auch für Linux-Anfänger ohne weitere Anpassungen gut mit Linux einsetzen. Erfahrene Nutzer sollen hier keine Probleme haben, die Installation zu perfektionieren.

Anhänge

Hier könnt Ihr einige Dateien zum Testgerät herunterladen:


Fazit

Im Test hat das X1 Carbon 8th Gen überzeugt. Die Verarbeitung ist erstklassig, die Eingabegeräte sind auf gewohnt hohem ThinkPad-Niveau, das Display ist sehr gut – wenn auch nicht perfekt – und die Akkulaufzeit stimmt. Bei der Leistung muss man aufgrund des extrem dünnen Gehäuses zumindest bei Multicore-Last kleine Abstriche im Vergleich zu dickeren Geräten wie dem T14 machen. Zudem fehlt es dem Intel-SoC an Grafikleistung, insbesondere im Vergleich zu aktuellen AMD Ryzen-Notebooks. Dank Thunderbolt 3 lässt sich hier jedoch mit einer externen GPU Abhilfe schaffen. Weitere kleine Kritikpunkte bestehen in der Wärmeentwicklung am Gehäuse sowie der Webcam, die dem Preis des Geräts nach wie vor nicht gerecht wird.

Das X1 Carbon 8th Gen empfiehlt sich somit für all diejenigen, für die Mobilität und eine hochwertige Anmutung an erster Stelle stehen. Man nimmt das Gerät einfach gerne mit, weil man es im Rucksack oder der Tasche fast gar nicht merkt. Der Preis im Bildungsprogramm – 1.449 Euro – steht absolut im Verhältnis zum Gebotenen.

Wer etwas sparen möchte, kann sich das ebenfalls sehr gute Gerät der 7. Generation anschauen. Wer mehr Leistung wünscht, dadurch aber etwas Mobilität, Premium-Haptik und Features wie Thunderbolt aufzugeben bereit ist, schaut in Richtung der aktuellen AMD-Modelle wie T14 und X13.

Autor: Yassin

Mein erstes ThinkPad war ein T41, das ich 2009 als Übergangsgerät zwischen einem Samsung-Notebook und einem MacBook Pro verwendet habe. Nach einem Jahr und einem defekten Unibody-Gehäuse habe ich dann ein ThinkPad X201 neu erworben - und dann hat das Sammeln begonnen. Geschätzte 50 ThinkPads später (von denen ich einige immer noch habe) arbeite ich aktuell mit einem ThinkPad T470p und teste hier im Team gerne Lenovos Neuvorstellungen.