„My kind of Thinkpad“ by mcb

Nachfolgend der Test eines ThinkPad X1 Carbon aus dem Campusprogramm. Hierbei handelt es sich um ein Sondermodell für Schüler, Studenten oder Wissenschaftliche Mitarbeiter, welches gegen einen entsprechenden Nachweis vergünstigt erhältlich ist.

Das Gerät wurde mir von ok1.de zur Verfügung gestellt. Erhältlich unter anderem hier: https://ok1.de/ThinkPads/ThinkPad-X1-Carbon-14/ThinkPad-X1-Carbon-Gen-7-20QES01L00::1828.html

Die Eckdaten:

Intel Core i7-8565U / 16 GB Ram / 512 GB SSD / 14″ FHD Panel (400 nits) / Größe und Gewicht: 323,5 x 217.1 x 14,9mm, 1,09 kg

Inklusive 3 Jahre Vor-Ort Premier Herstellergarantie.

Das Gerät:

ThinkPad X1 Carbon
Outdoor in der Sonne (Display at 100%)

Der erste Eindruck:

Wow! Das fasst es kurz zusammen. Schon das Auspacken macht Spaß. Das X1 kommt in einer schicken Pralinenschachtel in der Umverpackung und ist nochmals in Folie eingewickelt. Je nach persönlicher Veranlagung wird die Geduld, durch die zusätzlichen Arbeitsschritte, allerdings ein wenig strapaziert. 😉 Das Gerät ist unglaublich dünn und leicht. Die Handballenauflage ist gummiert und die Unterseite fühlt sich wie kühles Metall an. Thinkpad-typisch: Pechschwarz im bekannten „Industrie“-Design. Insgesamt wieder mal extrem wertig und schick.

Das Gehäuse wirkt ausreichend stabil, die schwarzen Scharniere sind straff und der Displaydeckel verwindungssteif (allerdings minimal weniger als bei den 14-Zoll T-Modellen). Einhändig lässt sich das X1 nicht wirklich öffnen, dafür ist die Unterseite zu leicht.

Die Schnittstellen sind jeweils links und rechts angeordnet, mit Ausnahme des Simkarten-Slots, der sich an der Rückseite befindet. Die USB 3-Ports sind nicht so schrecklich schwergängig wie beim T490.

Links: 2x USB-C (1x Always-on) / Erweiterung für Ethernet bzw. mechanisches Docking / USB-A 3.1 (Gen 1) / HDMI 1.4 & Kopfhörer-Mikrofon-Kombianschluss (Klinke)

Rechts: Netzschalter / USB-A 3.1 (Gen 1) & Kensington-lock slot

Seitenansicht

Tastatur, Touchpad und Schreibkomfort:

Die hintergrundbeleuchtete Tastatur entspricht wieder relativ genau den 14-Zoll Geräten seit der 30er Serie. Sie bietet StatusLeds in der Umschalttaste, Esc (für FnLk), F1 (AudioMute) und F4 (Mikrofon Aus). Das Schreibgefühl und die Haptik sind ausgesprochen angenehm. Klar definierter Druckpunkt, die Handballenauflage ist bequem und das Klappern der Tasten ist mit anderen Thinkpads vergleichbar. Subjektiv stört der relativ kurze Tastenhub weniger als beim T490.

Das Touchpad mit drei Maustasten oberhalb ist endlich wieder aus „Glass“ und fühlt sich dadurch richtig gut an. Die Windowstreiber bieten keine eigene Oberfläche mehr an. Sowohl Trackpoint als auch Touchpad funktionieren einfach und zwar richtig gut. Wenn man den Mauszeiger auf dem Touchpad bewegt, entspricht die Strecke auf dem Monitor eins zu eins der zurückgelegten Entfernung auf dem Touchpad. Als Trackpointnutzer war mir das neu und gefällt!

Das Display:

Das Testgerät hat wie das T490 ein NE140FHM-N61 von BOE verbaut. Es ist wieder hell, scharf und gleichmäßig ausgeleuchtet. Die Farbwiedergabe ist subjektiv auch in Ordnung. Meine Wahrnehmung während des Tests: erneut mit super Kontrast, kein/kaum Screen Bleeding und die Helligkeit ist völlig ausreichend. Insgesamt ein wirklich gelungenes Display.

Weniger schön: Der Displaydeckel hebelt das Thinkpad viel zu früh hoch und es steht dann nicht mehr auf den Füßen, sondern auf der Unterkante des Deckels, da sind „Beschädigungen“ an der Lackierung und/oder dem Tisch vorprogrammiert. Auf dem Bild ist der Winkel recht genau getroffen.

Lautsprecher / Soundkarte:

Das X1 Carbon bietet als Novum vier Lautsprecher, davon jeweils zwei etwas größere an der Unterseite und zwei kleine oberhalb der Tastatur. Lenovo bewirbt dies als „Dolby Atmos Lautsprechersystem“. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an die Soundausgabe. Nach der Windowsinstallation begrüßte mich aber der übliche dünne Sound. Abhilfe schaffte die Installation der Dolby Software, mit dieser gewinnt der Ton nochmals an Volumen und Bass. Verglichen mit dem T440s oder T490 ein Unterschied wie Tag und Nacht. Subjektiv nicht 100%ig „neutral“, aber für ein Thinkpad unglaublich gut. Besonders Musik klingt besser.

Soundverbesserung durch Software  kombiniert mit vier Lautsprechern
Soundverbesserung durch Software, kombiniert mit vier Lautsprechern

Rechenleistung, Lüfter und Abwärme:

Verbaut ist diesmal ein Core i7-8565U mit vier echten Kernen. Der 16 GB große Arbeitsspeicher ist auf dem Mainboard verlötet und kann nicht erweitert werden. Als Massenspeicher kommt eine per PCIe 3.0 angebundene, 512 GB fassende SSD von WD zum Einsatz.

Der interne 3 Zellen Akku bietet 51Wh, für diesen gibt Lenovo eine Laufzeit von bis zu 18,3 Std. an. In der Praxis sollte grob die Hälfte realistisch sein.

Folgend erst einmal die Benchmarkergebnisse im Netzbetrieb, Windows 10 auf „maximale Leistung“:

PCMark 10 -> Score: 4224 https://www.3dmark.com/pcm10/38410843

3DMark -> Graphics Score: 423 / CPu Score: 2206

Cinebench R15 ermittelte: 58,51 fps / 776 ps

Geekbench 4.3.4 -> Single-Core 5267 / Multi-Core 17457

Insgesamt eine ganze Ecke schneller als z.B. das T490 mit i5 und 8 GB Ram im single-channel-mode. Der bei den Benchmarks dauerlaufende Lüfter hat einen „angenehmen“, wenig störenden Sound, ist dann aber letztendlich doch deutlich zu hören. Problematischer ist dagegen die Wärmeentwicklung. Besonders bei PC- und 3DMark heizt sich das Gerät deutlich auf. Die komplette Unterseite des X1 und die komplette rechte Seite, inklusive der Tastatur, werden unangenehm warm/heiß. Der „verbrannte Elektronik“-Geruch verdeutlicht den Schwachpunkt zusätzlich.

Gut, Lenovo wäre nicht Lenovo, wenn es nicht zumindest einen „Workaround“ gäbe. Die Treibersoftware des X1 bietet in den Energieeinstellungen einen zusätzlichen Schieberegler an, der es ermöglicht, die Rechenleistung ein wenig zu reduzieren, um die Batterielaufzeit zu erhöhen. Ich habe ausprobiert, ob sich dadurch auch Abwärme und Lüftergeräusch verringern lassen.

Battery settings
Battery settings

Die Kurzform: Der Lüfter springt später an, das Gehäuse bleibt aber ähnlich warm. Nicht ganz so gut wie erhofft. 🙁

Benchmarks (gebremst):

PCMark 10 -> Score: 3989

Geekbench mit mittleren Settings im Vergleich zu „maximale Leistung“:

https://browser.geekbench.com/v4/cpu/compare/14203025?baseline=14244672

Im Vergleich zum T440s auf „maximale Leistung“:

https://browser.geekbench.com/v4/cpu/compare/14200237?baseline=14203025

Die verbaute SSD ist bei Western Digital mit 300TB TBW spezifiziert, sollte also lange halten. Geschwindigkeit und Funktionalität gaben während der Tests keinen Anlass zu Kritik.

Spulenfiepen:

Mehr durch Zufall aufgefallen: Sobald eine externe Samsung SSD an einen der beiden USB-C-Ports angeschlossen war, ertönte ein deutlich wahrnehmbares Fiepkonzert aus der linken Gehäuseseite. Das Netzteil und ein zum Vergleich angeschlossenes Pixel 3 sorgten nicht für Störgeräusche.

Auf der rechten Gehäuseseite in Nähe der CPU war leider im Netzbetrieb auch ab und zu Fiepen zu vernehmen, allerdings sehr viel leiser, und dies wurde meist vom Lüfter übertönt. Ich kann nicht 100%ig sagen, ob es die CPU, die SSD oder der gedrosselte Lüfter auslöst.

Fancy Adapter: Bei diesem Sondermodell ist der Ethernetadapter lobenswerterweise im Lieferumfang enthalten 🙂 . Optisch gewohnt gute Lenovo-qualität.

Ich habe Windows im Bios-Mode installiert. UEFI sollte die Bioseinstellungen ursprünglich vereinfachen und die Komplexität verringern, das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Das Testgerät bietet eine neue Oberfläche für das Bios an, inklusive Touchpad- und Trackpointeingabe. Wer schon mal die Bootreihenfolge im Bios eines T440s ändern wollte, weiß das zu schätzen.

Linux:

Debian Buster funktionierte Out of the box, inklusive Sound. Die unteren Lautsprecher ließen sich allerdings nicht leise stellen, liefen also auf 100%. Das wollte ich meinen Ohren dann doch nicht antun. Unter POP_OS! 19 ist das Problem ebenfalls verhanden.

X1 Carbon
Pop!_OS auf dem X1 Carbon 2019

Anmerkungen:

TPFancontrol ist funktionsfähig. Da der Lüfter jedoch von Haus aus leise ist und erst spät anspringt, läßt es sich eigentlich nur sinnvoll verwenden, um die Gehäusetemperatur zu reduzieren.

Die Lackierung des Displaydeckels ist empfindlich, das mindert zwar nicht die Funktionalität, ist aber ein wenig schade.

Der Netzwerkadapter blockiert den nebenliegenden USB-C-Port.

Fazit:

Es fällt mir nicht leicht, das X1 Carbon zu bewerten.

Positiv:

  • das helle und gute Display
  • klein und sehr leicht
  • unglaublich schick
  • hohe Rechenleistung
  • gute Lautsprecher
  • umfangreiche und lange Garantie
  • leiser Lüfter
  • Touchpadoberfläche

Weniger gelungen:

  • hohe Gehäusetemperatur
  • warme rechte Gehäuseseite oberhalb des Lüfters, inklusive erwärmter Tasten
  • Spulenfiepen
  • kaum erweiterbar
  • kein SD-Card Reader (auch kein microSD)
  • wenig Tastenhub

Neutral:

  • ohne MS-Windows
  • Linux erfordert Nacharbeit (insbesondere Audio)
  • Qualität der Maustasten
  • Preis
Abgesehen von der hohen Gehäusetemperatur ein wunderbares Gerät
Abgesehen von der hohen Gehäusetemperatur ein wunderbares Gerät

PS.: Das X1 bietet einen freien m.2 Slot für ein LTE-Modem.