„E15: E wie einfach oder E wie Edge ?“ by mcb

Diesmal der Testbericht eines E15 aus dem Campusprogramm. Hierbei handelt es sich wieder um ein Sondermodell, welches gegen Nachweis, vergünstigt bezogen werden kann. Der Anschaffungspreis ist mit zur Zeit 499 € brutto ausgesprochen gering. Umso mehr stellt sich die Frage, in wie fern, oder ob man Abstriche machen muß.

Die wichtigsten Eckdaten:

AMD Ryzen 3 5300U Quad Core / 8 GB DDR4 Ram (verlötet, ein Slot frei)
/ 256 GB M.2 2242 PCIe-NVMe SSD / 15.6 FHD IPS Panel (300nits)

Größe und Gewicht: 365 x 240 x 18.9 mm, ab 1.7kg

Inklusive zwei Jahre Herstellergarantie. (ja da haben es die Studenten wieder einmal besser :-))

Die Schnittstellen sind jeweils links und rechts angeordnet.

Links: USB-C-(Netzanschluss) / 1x USB 3.1 / HDMI und Kopfhörer-/Mikrofon-Kombianschluss

Rechts: USB-A / Ethernetanschluss und Kensington-lock slot

Schwer und groß, aber auch irgendwie gut :-). Das Gerät liegt angenehm in der Hand und die Haptik entspricht auf den ersten Blick ein wenig dem Thinkbook 15 oder auch E14. Ungewohnt für den Tester: das Gewicht, dies ist für heutige Verhältnisse mit 1,7 kg recht hoch. Alles in allem ist die Haptik aber gut und das Thinkpad wirkt weder billig, noch unzureichend stabil. Insgesamt nicht ganz so hochwertig wie die deutlich teureren T- oder X-Modelle. Die Handballenauflage ist ein wenig weicher als beim T490s und bequem. . Der Displaydeckel schnappt wie beim T440s beim Zuklappen zu. Der Aluminiumdeckel läßt das ganze Gerät ein wenig kopflastig werden.

Die Eingabegeräte:

Die nicht (einfach) wechselbare Tastatur bietet diesmal keine Hintergrundbeleuchtung. Dafür ist ein Nummernblock vorhanden. 😉

Dem Tester hätte eine zentrierte Tastatur mehr zugesagt, aber die Tastatur als solche ist erstklassig, da gibt es nichts zu meckern. Klar definierter Druckpunkt, angenehme Haptik und genug Hub, wenn auch nicht ganz so viel wie bei älteren T-Modellen. Die Kappen sind nicht so glatt wie bei den Backlightkeyboards, fühlen sich aber angenehm an. Leider sehen die Tasten ein wenig billig aus, dies beeinträchtigt die Funktionalität aber in keinster Weise. Auch die verkleinerten Sonderzeichen und Umlaute im Bereich der Entertaste hätten nicht sein müßen, stören die Eingabe allerdings auch nicht. Insgesamt wirklich gut!

Das Touchpad mit den drei Maustasten oberhalb bietet die gewohnten Eingenschaften. Die Oberfläche ist leider nicht aus „Glass“ sondern aus Plastik und fühlt sich dadurch ein wenig rau an. Für Trackpointnutzer und alle die es werden wollen: Ein-, Zwei- und Dreifingergesten darf man zusätzlich zum Trackpoint nutzen.

Der Trackpoint von Elan funktioniert so gut wie immer. Da gibt es wirklich nichts zu bemängeln.

Das Display

Das verbaute 15 Zoll Display stammt diesmal von Chimei / Innolux und wird von Lenovo mit folgenden Angaben beworben: 15.6 FHD IPS LED (1920 x 1080)
300nits, 16:9, 800:1 Kontrast, 45% NTSC Gamut und ist matt.

Es handelt sich um ein N156HCA-EAC !

Der erste Eindruck war positiv. Recht schnell (schon während des Lenovo Bootlogos) fallen die flauen Farben auf. Rot wirkt z.B. leicht Orange.

Flaue Farben

Meine Wahrnehmung während der Tests:

  • etwas wenig Kontrast verglichen mit den 400nits 14 Zöllern
  • unter Windows (mit 100 oder 125% Skalierung) und Linux (Gnome ohne Skalierung) läßt sich gut arbeiten, und die Augen ermüden kaum
  • die Helligkeit ist Indoor gut
  • gute Schaltzeiten
  • kein störendes Displaybleeding (Screenbleeding)
  • recht flaue Farben
  • die Schärfe ist verglichen mit den 14 Zöllern etwas gering (Ja, meckern auf hohem Niveau)

Alles in allem völlig ok und in Relation zum Anschaffungspreis fair.

Lautsprecher und Audio

Neue Audio Dimension entdeckt man am Testgerät leider nicht, aber die Speaker von Harman funktionieren unter Windows und Linux zufriedenstellend. Unter Windows ist wieder die Dolby-Software für zusätzliche Verbesserungen vorhanden. Durch den Limiter ist es möglich den Bass ein gutes Stück anzuheben. Davon ab ist der Klang, je nach Ausgangsmaterial aber recht dünn und höhenbetont, teilweise auch ein wenig blechern.

Storage

Kurz und schmerzlos: die verbaute SSD von WD funktioniert prima!

Es handelt sich um das Model: SN530 (SDBPMPZ-256G-1001 256GB)

Die Geschwindigkeit war unter Windows und Linux völlig in Ordnung. Hier noch einmal die Transferraten unter Debian 11 im Akkubetrieb:

„root@E15:~# hdparm -tT /dev/nvme0n1

/dev/nvme0n1:
Timing cached reads: 9746 MB in 2.00 seconds = 4874.96 MB/sec
Timing buffered disk reads: 3042 MB in 3.00 seconds = 1013.51 MB/sec“

und mit Strom:

„/dev/nvme0n1:
Timing cached reads: 16252 MB in 2.00 seconds = 8131.20 MB/sec
Timing buffered disk reads: 3610 MB in 3.00 seconds = 1202.70 MB/sec“

Zum Vergleich die SN730 meines T490s:

„root@mb:~# hdparm -tT /dev/nvme0n1/dev/nvme0n1:

„Timing cached reads: 31900 MB in 2.00 seconds = 15977.27 MB/sec Timing buffered disk reads: 4164 MB in 3.00 seconds = 1387.27 MB/sec“

Rechenleistung, Lüfter und Abwärme:

Gemessen unter Windows 10 auf „maximale Leistung“.

PCMark10 -> Score: 4421

Das Ergebnis als Pdf: https://nbreview.de/wp-content/uploads/2021/07/E15-gen3_AMD_Pcm10.pdf

3DMark (Time Spy) -> Graphics Score: ~ 605

Cinebench R23: 4957 pts / 1068 pts

Hier das Resultat: https://nbreview.de/wp-content/uploads/2021/07/E15_AMD_Cinebench-AC-9.png

Von Äpfeln und Birnen:

Altagsaufgaben laufen ausnahmslos flott und völlig zufriedenstellend. Wie ordnet man das Ergebnis nun ein? Hier die Resultate verglichen mit dem T490 mit i5 und T14 Gen2 mit i7:

BenchmarkE15 Gen 3 (AMD)T490 (i5)T14 Gen 2 (i7)
PC Mark442135595347
3D Mark
(TimeSpy)
605374 (iGPU)1645
(Nvidia)
Cinebench R23
(Multi-Core)
4957 pts5192 pts
Geekbench 4
Multi-Core Score
130401258519362
Geekbench 4
Single-Core Score
440744276244
E15 / T490T14 / T490
CPU Leistung *106 %100 %150 %
GPU Leistung 3D Mark162 %100 %440 %
* PC Mark und Geekbench Single- und Multicore jeweils mit 33%

Die CPU Leisung entspricht grob dem zwei Jahre alten T490 mit i5 (106 %) – das finde ich gut und und kombiniert mit moderater Abwärme wirklich klasse. Die CPU/GPU Leistung liegt zumindest beim Cinebech R23 fast gleichauf mit der Nvidia des T14 Gen 2. Die Messungen zeigen aber wieder einmal die Grenzen von symetrischen Benchmarks auf, die Nvidia ist im 3D Mark fast dreimal (2.72 x) so schnell.

Ich vergebe mal die Note „gut“. 🙂 Schneller als ein T490 und der Lüfter läuft nur selten! Das T14 ist zwar deutlich leistungsfähiger leidet aber unter einem überlasteten Kühlsystem …

Praxis und innere Werte

Die gute Nachricht vorweg: Das E15 Gen 3 AMD funktioniert, sowohl unter Windows 10, als auch Linux (Debian 11), absolut fehlerfrei. Besonders letzteres ist nicht selbstverständlich und hat mich positiv überrascht. Als Debianfan gibt es dafür hier die Note „sehr gut“ ! 😉

Unter Debian Bullseye wurde die komplette Hardware diesmal erkannt. Bluetooth konnte ich mangels Hardware nicht testen, zumindest An- und Ausschalten läßt es sich mit tlp. 😉 Aber wirklich schön, wenn ein Gerät ohne Betriebssysten auch unter Linux betrieben werden kann.

Das Bios?

Leider war es am Testgerät mit der Biosversion 1.06 nicht möglich ein gesetztes Supervisor Paßwort wieder zu entfernen. 🙁 Hier wird es hoffentlich noch ein Update geben. Zum jetzigen Stand würde ich erstmal lieber keines setzen. **

Meine persönliche Meinung

Nach dem E14 https://nbreview.de/thinkpad-e14/ das zweite E-Model, das verglichen mit deutlich teureren Thinkpads, wirklich kaum Schwächen aufweist. Etwas schwerer als z.B. mein T490s und evtl. nicht ganz so stabil. Leider bietet Lenovo momentan auch gegen Aufpreis in Deutschland kein „besseres“ Display an. Auf der Habenseite gibt es einen zweiten m.2 Steckplatz, praktikable Soundausgabe und Ethernet am Gerät gepaart mit einem leisen Lüfter!

Positiv:

  • günstig
  • leise und kühl
  • ordentliche GPU Leistung
  • top Tastatur
  • Linux läuft fehlerfrei
  • Steckplatz für eine zweite SSD
  • zwei Jahre Garantie
  • kein Spulenfiepen

Neutral:

  • gutes Display
  • vernünftige CPU Leistung
  • die Tastatur sieht ein wenig billig aus
  • gute (Thinkpad)- Lautsprecher

Negativ:

  • Biosfehler **
  • recht groß und schwer
  • Kein SD Card Reader
  • Flaue Farben am Display
  • nur ein USB3 Port
  • kein WWan möglich

** wir arbeiten an einer Klärung, inzwischen ist Bios 1.07 verfügbar.

Externe Dateien:

Hardware Maintenance Manual: https://download.lenovo.com/pccbbs/mobiles_pdf/e14_gen3_e15_gen3_hmm_en.pdf